Blog-Beitrag vom 28.10.2019

Websites übersetzen leichtgemacht: CMS und TMS im Zusammenspiel

Eine von Common Sense Advisory durchgeführte Studie mit über 3.000 Teilnehmern weltweit ergab, dass 75 % der Verbraucher Produkte lieber auf Websites in ihrer Landessprache kaufen. Außerdem kaufen 60 % der Verbraucher selten Produkte auf Websites, die nur auf Englisch verfügbar sind. Konkret bedeutet das, dass die Website-Übersetzung eine der wichtigsten Maßnahmen im Rahmen der Internationalisierung ist.

In diesem Bereich herrscht allerdings noch oft Unklarheit. Wie soll das Projekt angegangen werden? Wie werden die Texte aus der Website extrahiert? Braucht man dazu eine spezielle Software? In diesem Artikel werden gängige Stolpersteine identifiziert, die bei der Website-Übersetzung auftauchen.

Ein Artikel von

Flurina Schwendimann
Content Management, Across Systems

Außerdem werden Lösungsansätze vorgestellt, damit dieser Schritt auf dem Weg zur Internationalisierung einfach und erfolgreich verläuft.

Website übersetzen: Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Bevor das Projekt angefangen wird, muss sich das Unternehmen einige Grundsatzfragen stellen und für sich beantworten. Dazu gehört die Auswahl der „richtigen“ Zielsprachen, denn nicht jede Sprache bzw. jeder Zielmarkt bringt dem Unternehmen gleich viel Erfolg (also Umsatz). Weitere Vorbereitungsfragen sind:

  • Werden die Kosten und die zusätzlich notwendigen Ressourcen richtig eingeschätzt?
  • Ist das Produkt oder die Dienstleistung überhaupt für den internationalen Vertrieb ausgerichtet?
  • Können die Mitarbeiter des Unternehmens in der Sprache der Kunden kommunizieren (z. B. der Vertrieb oder Support)?
  • Ist das Unternehmen innerbetrieblich auf die Exporte vorbereitet?
  • Wurde schon erfasst, was sonst noch alles übersetzt werden muss (Videos, Bilder, Werbung, Broschüren…)?
  • Reicht eine Übersetzung oder braucht es gar eine Lokalisierung, um die Inhalte sprachlich und kulturell besser an den Zielmarkt anzupassen?

Die ausführliche Beschreibung dieser Fragen sind bei RockSolid Themes im Artikel „7 Fragen, die Sie beantworten sollten, um erfolgreich mehrsprachige Websites umzusetzen“ zu finden.

Weitere Anforderungen für international erfolgreiche Webseiten

 

Attraktive Inhalte für Zielgruppen und Zielmärkte 

Auswahl der richtigen Keywords
Verfügbarkeit einer zentralen ÜbersetzungsplattformEinfache Sprachauswahl
Berücksichtigung kultureller GegebenheitenAnpassung von grafischen Oberflächen an unterschiedliche Textlängen
Einsatz global akzeptierter SymboleVerwendung einheitlicher Begriffe
Verwendung von UnicodeVerwendung der landestypischen Maßeinheiten

 

Technische Voraussetzungen für die Website-Übersetzung

Websites werden mehrheitlich mit Content-Management-Systemen (CMS) erstellt. Vier der Meistbenutzten sind WordPress, Joomla!, Drupal und TYPO3. Es gibt noch eine Vielzahl anderer CMS, die je nach Anforderungen eingesetzt werden können. Dieser Artikel konzentriert sich auf die CMS, die auch für größere Unternehmen mit komplexen Websites infrage kommen. Eine umfangreiche Übersicht über verschiedene Content-Management-Systeme und deren Eigenschaften sind im IONOS-Artikel „CMS Vergleich 2019: Die beliebtesten Content Management Systeme“ zu finden.

Die Besonderheit dieser vier CMS ist, dass sie Open-Source sind. Das bedeutet, dass Unternehmen das CMS mit dem entsprechenden Programmieraufwand an die eigenen Bedürfnisse anpassen können. Außerdem haben die CMS sehr aktive Communitys, die regelmäßig teils kostenlose und teils kostenpflichtige Plug-ins veröffentlichen, die die Website-Funktionen erweitern.

Gemäß BuiltWith wurden außerdem 2,7 Millionen Websites mit dem proprietären HTML-Editor Adobe Dreamweaver erstellt. Auf Dreamweaver wird jedoch in diesem Artikel nicht eingegangen, da die Implementierung von multilingualen Websites damit komplex ist. In den Dreamweaver-Communitys wird allgemein empfohlen, bei mehrsprachigen Websites auf ein Content-Management-System zurückzugreifen, damit der Aufwand überschaubar bleibt.

Aktive Websites nach CMS

WordPress: ca. 18 Millionen

Joomla!: ca. 2,5 Millionen

Drupal: ca. 772 Tausend

TYPO3: ca. 425 Tausend

Quelle: BuiltWith

Viele CMS sind Open-Source und Unternehmen können sie an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Damit eine Website mit WordPress und TYPO3 überhaupt übersetzt werden kann, benötigt man ein zusätzliches Plug-in. Bei Joomla! und Drupal hingegen ist die Übersetzungsfunktion schon im Lieferumfang enthalten. Eins der bekanntesten Plug-ins für WordPress heißt WordPress Multilingual (WPML) und kostet einmalig je nach Lizenz zwischen 29 und 159 Dollar und zusätzlich zwischen 21 und 119 Dollar pro Jahr für die Account-Verlängerung. Das TYPO3 Plug-in für mehrsprachige Websites heißt Localization Manager (l10nmgr) und ist kostenlos. Bei Joomla! müssen die entsprechenden Sprachen vor der Übersetzung installiert und aktiviert werden und bei Drupal muss die Sprache lediglich aus einem Dropdown-Menü ausgewählt werden.

Wenn das entsprechende Plug-in angeschlossen wurde bzw. wenn die Sprachen installiert oder ausgewählt wurden, steht schon die nächste Frage im Raum: Wie erhält der Übersetzer die Website-Texte, damit er sie bearbeiten kann? Denn die Anbindung der Plug-ins bzw. die Aktivierung mehreren Sprachen im CMS bedeutet im ersten Schritt nur, dass es technisch möglich ist, Text in verschiedenen Sprachen abzubilden. Wie dieser Text im CMS landet, ist eine andere Geschichte.

    Machen Sie schon Feierabend oder Copy & Pasten Sie noch?

    Die wohl üblichste, wenn auch ineffektivste Variante, ist das Copy & Pasten der Texte. Oft werden sie dafür vom Front-End der Website kopiert, in ein Word-Dokument eingefügt und anschließend in die Übersetzung geschickt. Wer schon einmal so gearbeitet hat, weiß, dass es ganz schön mühsam ist. Die gängigsten Probleme, die auftauchen können, sind:

    Inkorrekte Anzeige von Schriftarten und Formatierungen

    Dies liegt daran, dass Word oder ein anderes Textverarbeitungsprogramm versucht, den Inhalt 1:1 darzustellen. Dies funktioniert in der Praxis jedoch selten, weshalb der Text zu groß oder zu klein angezeigt wird. Außerdem erscheinen oftmals überflüssige Leerzeichen und leere Abschnitte, die im Übersetzungseditor zu fehlerhaften Darstellungen führen.

    Ein Teil des Textes oder der Website fehlt

    Das passiert sehr häufig, da man relativ schnell einen Abschnitt oder eine ganze Unterseite übersehen kann. Meta-Angaben wie Title-Tags, Meta-Descriptions, Keywords, Link-Texte oder alternative Bildbeschreibungstexte können per Copy & Paste auch nicht abgebildet werden und werden deshalb nicht übersetzt. Dies hat eine negative Auswirkung auf die Suchmaschinenoptimierung. Außerdem haben Websites oft Unterseiten, die nicht im Menü indexiert sind. Ist dies der Fall, werden diese Seiten womöglich komplett übergangen. Das Resultat wird eine nur teilweise übersetzte Website sein. Das verschlechtert die Nutzererfahrung und somit die Kauffreudigkeit des (potenziellen) Kunden.

    Fehlender Kontext

    Wie oben schon erwähnt wurde, wird im Textverarbeitungsprogramm die Website nicht korrekt dargestellt. Dies führt dazu, dass einzelne Sätze oder Absätze nicht im richtigen Kontext angezeigt werden und somit zu Übersetzungsfehler führen können.

    Meta-Angaben können per Copy & Paste auch nicht abgebildet und übersetzt werden. Dies hat eine negative Auswirkung auf die SEO.

    Texte vom CMS exportieren und übersetzen lassen

    Eine weitaus einfachere Variante, um eine Website komplett übersetzen zu lassen, ist der Textexport als XLIFF. XLIFF steht für XML Localization Interchange File Format und ist ein Dateiformat zum Austausch von Lokalisierungsdaten.

    Die Vorteile eines XLIFF-Exports liegen auf der Hand: Es werden wirklich alle Inhalte exportieren, die übersetzt werden müssen. Man kann sogar individuell auswählen, welche Seiten für den neuen Zielmarkt relevant sind und dementsprechend bei Bedarf gewisse Seite auslassen. Es wird auch sichergestellt, dass alle Meta-Angaben übersetzt werden. Sie machen somit auch dem Übersetzer das Leben einfacher, da keine unverständlichen Formatierungen in seinem Übersetzungseditor auftauchen werden.

    XLIFF-Exporte in der Praxis

    Um XLIFF-Dateien zu exportieren, braucht es Plug-ins, sowohl in WordPress und TYPO3, als auch in Joomla! und Drupal. Je nach CMS heißen Plug-ins übrigens auch „Erweiterungen“ oder „Module“, lassen Sie sich davon nicht verwirren.

    • WordPress WPML: In der Basisversion können zwar XML-Exporte gemacht werden, die sich auch für die Übersetzung eignen, aber einige Inhalte, wie die Widgets, werden nicht exportiert. Da Sie aber spätestens für die Einbindung des übersetzten Textes ein Plug-in benötigen werden, kann der Export direkt über WPML oder ein vergleichbares Plug-in (z. B. Polylang oder Multilingual Press) gemacht werden.
    • TYPO3 L10N Manager: Über die TYPO3-Erweiterung können Sie Dateien einfach als XML exportieren und importieren. Tipp: Aktivieren Sie im L10N Manager die Option „Check UTF-8“, damit sichergestellt wird, dass Umlaute und Sonderzeichen richtig exportiert werden.
    • Joomla! jDiction: Bevor Texte als XLIFF mit dem kostenlosen Plug-in jDiction für die Übersetzung exportiert werden, müssen Sie die Zielsprachen installieren und aktivieren.
    • Drupal tmgmt: tmgmt ist ein kostenloses Modul für Drupal. Es ist nicht das einzige seiner Art aber eins der Meistbenutzten. Wie bei Joomla! müssen auch hier die Zielsprachen zuerst installiert und aktiviert werden, bevor XLIFF-Exporte in den gewünschten Sprachen gemacht werden können.

    Je nach Übersetzungsprozess wird die XLIFF-Datei entweder intern übersetzt oder an einen freiberuflichen Übersetzer oder Sprachdienstleister zugeteilt. Im Artikel „Übersetzungsprozesse optimieren“, erhalten Sie einen Überblick über die möglichen Bearbeitungsschritte, die ein Text durchläuft, bis die Übersetzung im Zielland veröffentlicht wird.

    Eine weitaus einfachere Variante, um eine Website komplett übersetzen zu lassen, ist der Textexport als XLIFF.

    Content-Management-System und Translation-Management-System verbinden

    Wenn Ihr Unternehmen bereits ein Translation-Management-System (TMS) einsetzt, ist es erwägenswert, eine Schnittstelle zwischen dem CMS und dem TMS einzurichten. Dies hat den großen Vorteil, dass zu übersetzende Texte vollautomatisch in das TMS exportiert werden können. Somit wird der Export- und Import-Aufwand von XLIFF-Dateien überflüssig und es wird sichergestellt, dass die Übersetzungen fristgerecht auf der Website online sind.

    Falls Sie mit dem Thema Translation-Management-System noch nicht in Berührung gekommen sind, sollten Sie den Artikel „Alles rund um Translation-Management-Systeme“ lesen. Darin wird detailliert erklärt, was ein TMS ist und welche Vorteile es bietet.

    Kurz gesagt ist ein TMS das Bindeglied zwischen Auftraggeber, Sprachdienstleistern, freiberuflichen Übersetzern, Terminologen, Lektoren und Korrektoren.

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    Die zentralen Komponenten sind ein kundenspezifisches Translation Memory, das die Wiederverwendung von bereits existierenden Übersetzungen ermöglicht, eine Terminologiedatenbank, die die terminologische Konsistenz sicherstellt und ein Übersetzungstool, um die Aufträge formatunabhängig zu bearbeiten. Außerdem bietet ein TMS Funktionen für das Übersetzungsmanagement und die Qualitätssicherung.

    Die offene Architektur eines TMS ermöglicht über Schnittstellen zudem die Anbindung verschiedener Systeme, z. B. für Content-Management, Product-Information-Management, maschinelle Übersetzung oder Autorenunterstützung. Dadurch kann eine durchgehende Prozesskette für den nahtlosen Datenaustausch eingerichtet werden.

    Websites übersetzen – Fazit

    Die Übersetzung der Unternehmenswebsite ist für eine erfolgreiche Internationalisierung unerlässlich. In der Praxis ist das Unterfangen jedoch oft mit viel manuellem Aufwand verbunden. Insbesondere die Textextraktion für die nachfolgende Übersetzung kann mühselig und fehleranfällig sein. Mit den geeigneten technologischen Hilfsmitteln kann der Aufwand jedoch deutlich reduziert werden.

    Eine Möglichkeit, um Texte für die Übersetzung zu exportieren, ist der Einsatz von XLIFF-Dateien, die der Übersetzer formatunabhängig in seinem Übersetzungseditor bearbeiten kann. Eine weitere, noch schnellere Variante, ist die Anbindung des eingesetzten Content-Management-Systems mit dem hauseigenen Translations-Management-System mittels einer Schnittstelle. Dies macht den Export und Import von XLIFF-Dateien überflüssig und stellt sicher, dass die zu übersetzenden Texte immer auf dem aktuellsten Stand sind.