Blog-Beitrag vom 09.12.2019

Übersetzungstools: die Helfer des Übersetzers

Die neuen Technologien prägen bereits seit geraumer Zeit den privaten und beruflichen Alltag vieler Menschen. Das gilt auch und vor allem für den Beruf des Übersetzers: Der Einsatz von Computern und Software ist aus dem Berufsalltag eines Übersetzers – egal ob festangestellt oder freiberuflich – nicht mehr wegzudenken. Der (korrekte) Einsatz von Software kann dabei mitentscheidend dafür sein, dass am Ende eines Übersetzungsprojekts tatsächlich auch eine – aus inhaltlicher wie auch aus technischer Sicht – qualitativ hochwertige Übersetzung vorliegt.

Ein Artikel von

Maurice Mayer-Dewor
Dozent, Universität Heidelberg

In der heutigen Zeit kommt einer allgemeinen technologischen Kompetenz sowie einer spezifischen Tool-Kompetenz eine bedeutende Rolle zu.

Von Vorteil ist es, diese Kompetenzen bereits frühzeitig – idealerweise schon während des Übersetzerstudiums – zu erlangen. Denn wer es frühzeitig gewohnt ist, neue (berufsrelevante) Anwendungen zu installieren und sich rasch in diese einzuarbeiten, erarbeitet sich mit der Zeit u.a. ein technologisches Grundverständnis sowie eine grundlegende Versiertheit im Umgang mit Software, die es erlaubt, Tools gezielt, effizient und handlungssicher einzusetzen. In der technologisierten Welt, in der wir leben, kann eine solche Kompetenz – natürlich neben einer fundierten Übersetzungskompetenz und den nach wie vor wichtigen „Soft Skills“, allen voran Kommunikations- und auch Teamfähigkeit – den Ausschlag darüber geben, ob man einen Übersetzungsauftrag oder auch die Zusage bei einer Bewerbung erhält.

Computergestützte Übersetzung

Der Berufsalltag eines Übersetzers fußt heutzutage in weiten Teilen auf dem Einsatz von Software unterschiedlichster Art: Neben allgemeineren Anwendungen wie Textverarbeitungsprogrammen, Kommunikationssoftware (E-Mail, Instant-Messaging etc.) oder auch Backup-Tools kommt dabei insbesondere der so genannten computergestützten Übersetzung (engl. computer-aided translation, auch computer-assisted translation, kurz CAT) eine zentrale Rolle zu. Hierbei handelt es sich um Anwendungen und Tools, die den Übersetzer bei seiner Arbeit unterstützen.

Nicht zu verwechseln ist die computergestützte Übersetzung übrigens mit der Maschinellen Übersetzung (MÜ), bei der die Übersetzungen bekanntermaßen ohne Zutun eines Übersetzers von entsprechenden Softwaresystemen erstellt werden (vgl. hierzu der Blogbeitrag „Maschinelle Übersetzung für Übersetzer“).

Der Berufsalltag eines Übersetzers fußt heutzutage in weiten Teilen auf dem Einsatz von Software unterschiedlichster Art.

Das TM-System – der Primus unter den CAT-Tools

Unter den CAT-Tools sind die so genannten Translation-Management-Systeme (kurz TM-Systeme oder auch TMS, früher häufiger auch als Translation-Memory-Systeme bezeichnet) von grundlegender Bedeutung, die heutzutage bei vielen Übersetzungsprojekten zum Einsatz kommen. Die Historie der kommerziellen TM-Systeme reicht bis in die 1980er Jahre zurück.

Seither wurden sie kontinuierlich weiterentwickelt und sind zu einer Art eierlegender Wollmilchsau geworden: Auf Grundlage der klassischen Kernkomponenten wie Translation-Memory, Übersetzungseditor, Terminologieverwaltung und Projektmanagement unterstützen sie heute nicht nur die „einfache“ Übersetzung von Ausgangsdokumenten (in vielen unterschiedlichen Dateiformaten und auf Grundlage unterschiedlichster Workflows). Denn mit den Jahren wurden sie auch um spezifischere Funktionalitäten erweitert, wie z. B. Reporting- und Fakturierungsfunktionen, Kunden- und Auftragsverwaltung, Funktionen zur Terminologieextraktion, Möglichkeiten der Automatisierung sowie der Anbindung von Drittsystemen über Schnittstellen und schließlich in jüngerer Zeit z. B. die Integration von MÜ.

Auf die grundlegende Funktionsweise und eine Beschreibung der Hauptkomponenten von TM-Systemen wird an dieser Stelle verzichtet, auch weil an anderer Stelle bereits vielfach darauf eingegangen wurde: Für den Einstieg in das Thema sei daher beispielhaft lediglich auf das White Paper „Das Prinzip von Translation-Management-Systemen“ sowie den Blogbeitrag „Alles rund um Translation-Management-Systeme (TMS)“ verwiesen.

Jenseits von TMS: die Heerschar an kleinen Helferlein

Neben den in ihrem Funktionsumfang mächtigen TM-Systemen gibt es eine Vielzahl anderer nützlicher Tools, die den Übersetzer bei seiner Arbeit in Bezug auf bestimmte Einzelfunktionen unterstützen.

(Elektronische) Wörterbücher: die Urgesteine unter den Übersetzungs(ge)hilfen

Wörterbücher sind gewissermaßen die Urgesteine unter den Übersetzungshilfen. In der heutigen Zeit kommen naturgemäß neben den Printversionen häufig die elektronischen Pendants von Wörterbüchern (in Online- oder Offline-Versionen) zum Einsatz. Insbesondere die Anwendungen elektronischer Offline-Wörterbücher bringen gegenüber gedruckten Wörterbüchern oftmals Vorteile mit sich, was den Zugriff auf den Wörterbuchbestand und die Suchmöglichkeiten darin angeht (allen voran die Möglichkeit einer Volltextsuche).

Besonders effizient im täglichen Einsatz sind so genannte Wörterbuch­plattformen, die die Basis für die Integration mehrerer Wörterbücher bilden. Dadurch kann mit lediglich einer Suchanfrage effizient in mehreren Wörterbüchern gleichzeitig gesucht werden. Im deutschen Sprachraum bekannt sind z. B. die Duden-Bibliothek für Duden-Wörterbücher sowie UniLex, für die ein-, zwei und mehrsprachige Wörterbücher verschiedener Verlage verfügbar sind. Neben einer lokal zu installierenden Version (UniLex Pro) besteht auch die Möglichkeit eines webbasierten Zugriffs auf die Wörterbücher (UniLex IDS).

(Web-)Recherche-Tools

Die Online-Recherche nach Terminologie ist eine gleichermaßen nützliche wie zeitintensive Angelegenheit. Denn es heißt, jeweils in eigenen Browser-Tabs für die verschiedenen Online-Ressourcen seines Vertrauens zunächst die gewünschte Sprachrichtung festzulegen, anschließend den gesuchten Ausdruck, meist von Hand, einzugeben und die Suche schließlich auszuführen, um die Ergebnisse abschließend zu sichten. Recherche-Tools zentralisieren die Suche und bündeln die einzelnen Schritte der Suche: In einer zentralen Suchumgebung wird einmalig die Sprachrichtung festgelegt und das Suchwort einmalig eingegeben. Anschließend kann die Suche meist in mehreren Online-Ressourcen gleichzeitig ausgeführt werden.

In manchen TM-Systemen, wie z. B. Across, ist eine solche effiziente Suchfunktion integriert. Darüber hinaus gibt es aber auch spezielle Online- wie auch Offline-Recherchetools, die einige Vorteile aufweisen können. Zu den webbasierten Tools aus diesem Bereich zählt z. B. Search Bar, eine recht einfache und für den Einstieg in das Thema gut geeignete Lösung. Die verfügbaren Sprachkombinationen sind allerdings begrenzt und eine individuelle Auswahl der bei einer Suche berücksichtigen Online-Ressourcen ist nicht möglich. Mit wesentlich mehr Sprachen und Sprachkombinationen wartet hingegen MagicSearch auf. Hier ist es zudem möglich, aus den vordefinierten Online-Ressourcen eine eigene Auswahl zu treffen. Die Auswahl bleibt dank der Verwendung von Cookies auch dann „gespeichert“, wenn die MagicSearch-Webseite geschlossen und später erneut aufgerufen wird.

Besonders effizient im täglichen Einsatz sind so genannte Wörterbuch­plattformen, die die Basis für die Integration mehrerer Wörterbücher bilden.

Grundlegende Nachteile der webbasierten Recherche-Tools bestehen im Allgemeinen darin, dass einerseits eine Erweiterung der zur Verfügung stehenden Online-Ressourcen nicht unmittelbar möglich ist (sondern allenfalls indirekt durch Kontaktaufnahme mit den Entwicklern bzw.  Urhebern – was in der Vergangenheit aber von Erfolg gekrönt war) und dass andererseits Offline-Quellen (also z. B. die Anwendungen lokal installierter Wörterbücher) nicht integriert werden können.

Diese Nachteile bestehen bei Offline-Recherchetools, die also auf dem lokalen Rechner installiert werden, häufig nicht: Sie können (und müssen z.T. auch) personalisiert werden, indem eigene Online- wie Offline-Ressourcen mit Hilfe von Assistenten hinzugefügt oder auch eigene Tastenkombinationen definiert werden können. IntelliWebSearch ist beispielsweise ein Vertreter dieser Offline-Recherchetools.

Das Tool „schlummert“ nach seinem Start im Hintergrund, bis es über eine entsprechende Tastenkombination (standardmäßig ist dies Strg+Alt+B) in den Vordergrund geholt wird. Dies kann aus jedweder Anwendung heraus erfolgen, in der sich Text auswählen bzw. markieren lässt, also z. B. auch aus dem Übersetzungseditor eines TM-Systems heraus. Wird ein Wort vor dem Aufrufen von IntelliWebSearch markiert, entfällt dadurch auch dessen manuelle Eingabe. Anschließend kann die Websuche in einer oder mehreren Online- und Offline-Quellen ausgeführt werden, wobei sich die Suche auch anhand von Tastenkombinationen vollständig automatisieren lässt.

IntelliWebSearch ist in der aktuellen Version kostenpflichtig (mit der Möglichkeit einer kostenlosen zweimonatigen Testversion). Daneben steht weiterhin eine ältere Version zur kostenlosen und zeitlich unbegrenzten Nutzung zur Verfügung, die gegenüber der aktuellen Version Nachteile insbesondere bei der Benutzerfreundlichkeit aufweist.

Offline-Recherchetools können personalisiert werden, indem Ressourcen mit Assistenten hinzugefügt oder eigene Tastenkombinationen definiert werden.

Tools zur Textbausteinverwaltung: wider der Wiederholung

Ein nicht zu vernachlässigender Teil des Arbeitsalltags eines Übersetzers entfällt heutzutage auf die E-Mail- und sonstige Kommunikation. So wollen u.a. Übersetzungsanfragen beantwortet, Rechnungen erstellt und fertige Übersetzungsaufträge mit einem Begleittext versendet werden. Viele der dabei verwendeten Textbestandteile und Formulierungen wiederholen sich: angefangen z. B. bei Anreden und Grußformeln über einleitende Sätze und Standardformulierungen bis hin zu ganzen Textpassagen, die identisch wiederverwendet werden. Aber auch andere Eingaben wie z. B. die eigene IBAN, die eigene Postanschrift und die eigene E-Mail-Adresse müssen wiederholt (von Hand) eingegeben werden.

Um den Aufwand für das Tippen solcher sich wiederholender Texte zu senken, können in Word bekanntermaßen Dokumentvorlagen (für ganze Dokumente) sowie Textbausteine (für einzelne Textteile) angelegt werden – allerdings ist deren Nutzung auf Word beschränkt. Aber Texte schreibt man nicht zuletzt auch im Web, im E-Mail-Client oder auch im Übersetzungseditor eines TM-Systems. Und an dieser Stelle kommen nun Tools zur Textbausteinverwaltung ins Spiel.

Sie ermöglichen es, Texte, die wiederholt geschrieben werden, in Form von Textbausteinen zu hinterlegen. Bei Bedarf können diese Textbausteine wahlweise per Tastenkombination oder per definierter Zeichenfolge automatisiert in den aktuellen Text eingefügt werden – und das systemweit, d.h. unabhängig davon, ob der Text gerade in einem E-Mail-Programm, in Word, im Web oder auch in einem TM-System geschrieben wird. Ein guter Vertreter dieser Tools ist z. B. PhraseExpress. Das Tool läuft nach dem Start im Hintergrund und wartet gewissermaßen darauf, im Hintergrund aufgerufen zu werden und einen definierten Textbaustein einzufügen.

Neben „statischen“ Textbausteinen praktisch jeder beliebigen Länge können mit Hilfe von Eingabeformularen auch ganze Dokumente mit dynamischen Inhalten generiert werden. Darüber hinaus verfügt das Tool über weitere nützliche Funktionen, wie z. B. eine systemweite Autokorrektur für ausgewählte Sprachen (die neben anderen Erweiterungen kostenlos von der Website von PhraseExpress heruntergeladen werden können) und einen mehrfachen und ebenfalls systemweiten Zwischenablagespeicher.

PhraseExpress ist für die private Nutzung kostenlos, für eine professionelle Nutzung aber hingegen kostenpflichtig. Vom gleichen (übrigens deutschen) Hersteller gibt es aber auch das kostenlose Tool Textbausteinverwaltung, das verständlicherweise mit einem abgespeckten Funktionsumfang aufwartet.

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Skriptsprachen: Automatisierung für den Hausgebrauch

In der Übersetzungsindustrie spielt die Automatisierung von sich wiederholenden Prozessen und Aufgaben eine zentrale Rolle, lassen sich dadurch doch bedeutende Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen erzielen. Doch auch für Freiberufler gibt es Möglichkeiten, repetitive Arbeitsaufgaben oder Abläufe mit relativ einfachen Mitteln zu automatisieren, und zwar z. B. mit Hilfe von Skriptsprachen wie AutoHotkey. Das (kostenlose) AutoHotkey ermöglicht es, jedwede Tastatureingabe, jeden Mausklick und jeglichen Mausweg, den man als Benutzer in Windows macht, zu automatisieren: angefangen bei automatisierten Tastatureingaben und Ersetzungsvorgängen von Text (wodurch sich letztlich auch Textbausteine erstellen lassen, vgl. oben) über das automatische Ausführen von Anwendungen oder auch von Mauswegen und Mausklicks bis hin zur Erstellung eigener Anwendungen (durch die Kompilierung der entsprechenden Skripte).

Die Erstellung eines Skripts zur Umsetzung einer Arbeitsaufgabe erfordert eine gewisse Einarbeitung und vielleicht auch ein wenig Technologieaffinität, aber bei Weitem keine Kenntnisse im Programmieren – auch und vor allem dank der sehr einfachen Syntax von AutoHotkey sowie der sehr guten Online-Hilfe und Online-Dokumentation.

Die AutoHotkey-Skripte sind textbasiert, wodurch sie mit einem einfachen Texteditor wie z. B. dem kostenlosen und sehr vielseitigen Notepad++ erstellt werden können. Ausgeführt werden die Skripte z. B. über frei definierbare Tastenkombinationen. Die erstellten Skripte lassen sich auf einfache Weise auch zu Anwendungen kompilieren, wodurch man die Automatisierungen mit anderen Nutzern ohne eine Installation von AutoHotkey teilen kann. Zu guter Letzt wird zur Erfassung (und anschließenden Automatisierung) von Laufwegen und Klicks mit der Maus (z. B. auf einen Menübefehl oder eine Schaltfläche) das kostenlose Tool Active Window Info mitinstalliert.

Für Freiberufler gibt es Möglichkeiten,  Arbeitsaufgaben oder Abläufe zu automatisieren, z. B. mit Hilfe von Skriptsprachen wie AutoHotkey.

Der Helferlein nicht genug...

Neben den erläuterten Kategorien von Tools gibt es im Übersetzerbereich für andere Aufgaben und Anwendungsszenarien natürlich weitere nützliche Tools, auf die an dieser Stelle aber nicht weiter eingegangen werden soll, wie z. B. Qualitätssicherungstools, Spracherkennungstools, Konvertierungstools (z. B. für PDF-Dateien), Texterkennungs-/OCR-Tools, TM-spezifische Tools wie TMX-Reader oder Validierungstools, Vergleichstools zum Abgleich verschiedener Dokumenten­versionen oder auch Tools zur Archivierung von Web-Inhalten.

Über den Autor

Maurice Mayer-Dewor ist Diplom-Übersetzer für die Sprachen Italienisch und Französisch und arbeitet als Dozent am Institut für Übersetzen und Dolmetschen (IÜD) der Universität Heidelberg. Dort lehrt er u. a. den Einsatz von Translation-Management-Systemen. Darüber hinaus arbeitet er als freiberuflicher Übersetzer und Technischer Redakteur.

Website: IÜD-Mitarbeiterprofil