Blog-Beitrag vom 29.04.2019

Simplified Technical English

Die Vorteile für Übersetzungen

Simplified Technical English (STE) ist eine der bekanntesten Kontrollierten Sprachen in der Technischen Dokumentation. STE hat seinen Ursprung in der Luft- und Raumfahrtindustrie, wird aber auch in anderen Bereichen der Technischen Dokumentation genutzt. Das Regelwerk limitiert und standardisiert die englische Sprache. Es besteht aus einer Sammlung von Schreibregeln und einem Wörterbuch mit eingeschränktem Vokabular.

STE kann, richtig angewendet, zu Texten führen, die schnell und leicht verständlich sind, und zwar für alle Leser: für ein internationales Zielpublikum, für Muttersprachler und Nichtmuttersprachler, für Experten und Laien.

Ein Artikel von

Stefan Kreckwitz
CEO, Congree Language Technologies

Simplified Technical English macht Texte nicht nur verständlicher, sondern hat auch viele Vorteile für die Übersetzung.

Weniger Text, mehr Wiederholungen

Durch die vereinfachte und standardisierte Syntax und Wortwahl wird die Übersetzung mit Englisch als Quellsprache erleichtert und damit kostengünstiger gemacht. Shufrans TechDocs schreibt dazu: „As the text volume is reduced by at least 20 % and the remaining text becomes more repetitive, the use of Simplified Technical English typically results in 30 to 40 % less translation cost.”

Einsatz eines Translation Memorys

STE sorgt für weniger sprachliche Varianten. Es gibt im Vergleich zum Standard-Englisch schlichtweg weniger Möglichkeiten, einen bestimmten Sachverhalt auszudrücken. Dafür sorgt das eingeschränkte Vokabular ebenso wie die STE-Regeln. Dies kommt der Arbeit mit einem Translation Memory zugute. Je weniger mögliche Varianten es gibt, desto wahrscheinlicher gibt es für den gewünschten Sachverhalt einen freigegebenen und übersetzten Satz, der einfach vom Übersetzer übernommen werden kann.

Die Verwendung von STE führt in der Regel zu 30 bis 40 % niedrigeren Übersetzungskosten.

Höhere Verständlichkeit – auch für Übersetzer

Um wieder auf die Verständlichkeit zurückzukommen: Verständliche Texte sind nicht nur gut für die Leser. Auch Übersetzer kommen besser und schneller voran, wenn der Quelltext verständlich, klar und eindeutig formuliert ist. Und genau das lässt sich mittels STE erreichen.

STE und maschinelle Übersetzung

Die positiven Effekte von STE lassen sich auf Reduktion, Vereinfachung und Vereindeutigung herunterbrechen. Genau diese Charakteristika sind es, die sich auch positiv auf maschinelle Übersetzung (MÜ) auswirken.

Da Maschinen das Weltwissen eines Menschen fehlt, ergibt es großen Sinn, die Sprache möglichst einfach und eindeutig zu gestalten, wenn der Quelltext maschinell übersetzt wird.

Auf diese Weise kommt es zu weniger Übersetzungsfehlern und der Aufwand des auf die MÜ folgenden Posteditings wird reduziert.

Es ergibt Sinn, die Sprache einfach und eindeutig zu gestalten, wenn der Quelltext maschinell übersetzt wird.

Direkt in der Zielsprache Englisch schreiben?

Durch den STE-Standard ist es leichter, als Nichtmuttersprachler englische Texte direkt selbst zu verfassen, anstatt erst Quelltexte in der eigenen Sprache zu verfassen. Daraus lässt sich die These ableiten, dass Übersetzungen ins Englische durch STE in manchen Anwendungsszenarien bestenfalls obsolet werden.

Dies mag in einigen Szenarien korrekt sein. Allerdings sollten die Texte auch hier von einer Englisch- und Fachtext-kundigen Person gegengelesen werden. In solchen Fällen verlagern sich die Aufgaben eines Übersetzers womöglich, entfallen jedoch nicht gänzlich.

STE nur für Übersetzungen einsetzen?

Die bisher genannten Vorteile für die Übersetzung machen die Einführung des Standards attraktiv. Allerdings nicht nur für die Übersetzung – durch den Einsatz in mehreren Unternehmensbereichen können diese dann zusätzlich von Vorteilen wie erhöhte Verständlichkeit profitieren. In einem Artikel des Magazins tcworld schreibt der Technische Redakteur Herbert Kaiser: „If Simplified Technical English is used exclusively to simplify translations, a large part of the overall potential of this language standard will go unutilized.”

Mit STE einfach loslegen?

Theoretisch könnte man als Technischer Redakteur starten, nachdem man sich die aktuellste Ausgabe des Standards besorgt und aufmerksam gelesen hat. Das ist jedoch kein leichtes Unterfangen und nach Einschätzung der Herausgeber des STE Standards wenig sinnvoll: „Simply giving authors a copy of the specification is probably the best way to discourage them from learning about STE, and applying it correctly.”

Schulungen und auch die Nutzung einer maschinellen Autorenunterstützung sind deswegen die sinnvollere Lösung.

Fazit

STE ist ein mächtiger Standard und bringt viele Vorteile mit sich. Übersetzungen lassen sich durch die konsequente Anwendung optimieren. Um nur einige Punkte zu nennen:

  • Das Textvolumen des Quelltexts wird gesenkt und einzelne Wörter und Sätze wiederholen sich tendenziell öfter. Auf diese Weise können die Übersetzungskosten um ca. 20 % gesenkt werden.
  • Weniger Varianten bedeuten auch, dass die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass Sie während der Übersetzung in Ihrem Translation Memory bereits übersetzte Wörter bzw. Sätze einfach in Ihren Text übernehmen können.
  • Verständlichere Texte sorgen für weniger Rückfragen seitens des Übersetzers.
  • Eindeutigere und einfachere Texte erleichtern eine maschinelle Übersetzung.

Der Einsatz von STE lohnt sich besonders, wenn der Standard nicht nur für die Optimierung von Übersetzungen angewendet wird, sondern auch allgemein in der Textproduktion.

Weitere Infos zu STE und wie Ihnen maschinelle Autorenunterstützung bei der Anwendung des Standard helfen kann, erfahren Sie auf der Website von Congree.

Über den Autor

Stefan Kreckwitz ist der CEO von Congree Language Technologies, ein Softwarehersteller im Bereich Content-Optimierung. Das Unternehmen liefert die führenden Technologien zur Formulierung konsistenter Texte, unter Berücksichtigung definierter Stilregeln und einheitlicher Terminologie. Congree-Produkte unterstützen branchenübergreifend die Kommunikation in Unternehmen und Fachabteilungen jeder Größe.

Website: Congree Language Technologies