Blog-Beitrag vom 02.09.2019

Neue Qualitätssicherung in Across aktivieren und nutzen

Immer öfter werde ich gefragt: „Wie kann ich die Qualitätssicherung der Across Translator Edition v7.0 aktivieren und nutzen?“

Ich hatte bereits in meinem Blog zu den sechs guten Gründen, auf die ATE v7.0 umzusteigen, geschrieben, dass es sinnvoll sei, sich beizeiten mit der Qualitätssicherung der ATE v7.0 vertraut zu machen. Mittlerweile sind in der ATE v7.0 Gilded Sapphire alle Qualitätskriterien eingerichtet, sodass der Wechsel jetzt durchaus interessant wird. Der Umstieg ist nicht ganz trivial und es sind ein paar Vorarbeiten nötig, aber sobald die einmal erledigt sind, steht einer ständigen Nutzung der vielversprechenden Qualitätssicherung v7.0 nichts mehr im Wege.

Ein Artikel von

Andreas Rodemann
Trainer Across Translator Edition

In diesem Artikel lernen Sie, mit welchen Einstellungen Sie die neue Across-Qualitätssicherung optimal einsetzen können.

Erforderliche Einstellungen

Die folgenden Einstellungen gelten nur für den Standalone-/Einzelplatzmodus. Im Offline-Client-Modus übernimmt Ihr Kunde die nötigen Einstellungen. Gehen Sie zuerst in die Systemeinstellungen und konfigurieren Sie dort Ihre QM-Vorlage (QST).

Die folgenden Einstellungen gelten nur für den Einzelplatzmodus. Im Offline-Client-Modus übernimmt Ihr Kunde die nötigen Einstellungen.

Dazu können Sie entweder die „Default“-Vorlage nutzen oder Sie legen über die Schaltfläche „Aktionen“ eine neue an, die Sie beliebig benennen können. Ich nenne Sie hier einmal „MeinQM_v7“. Zum Konfigurieren finden Sie bei jedem Kriterium Einstellungen, die Sie mit einem Klick auf den kleinen Pfeil vor dem Kriterium einblenden können. Bei den meisten Kriterien beschränken sich die Möglichkeiten auf die Einstellungen „Aktiviert“ und „Pflichtkriterium“, die Sie in der Regel bei den Voreinstellungen belassen können. Bei den folgenden Kriterien haben Sie jedoch noch weitere Optionen. Die Bedeutung von Kriterien und Optionen erkläre ich nur, wenn diese nicht selbsterklärend sind.

Kriterium Zusätzliche Optionen Aktivierung empfohlen
Abstand (prüft auf Leerzeichen zwischen Wörtern) Aufeinanderfolgende Wortzwischenraumzeichen prüfen Ja
  Ignorieren, wenn dieselbe Abfolge in der Quelle vorkommt Ja
  Tabulatoren prüfen Ja
  Angrenzende Wortzwischenraumzeichen prüfen (prüft auf Leerschritte am Anfang und am Ende des Segments) Ja
Daten/Zeit/Zahlen Keine Ja
Formatierung Formatierungsreihenfolge prüfen Nein
  Warnen, wenn Rich-Text-Formatierung im Zieltext verwendet wird Ja
Identische Segmente (prüft, ob Segmente in Quelltext und Zieltext identisch sind) Absätze ignorieren, wenn diese weniger als XX Zeichen enthalten (10, ggf. testen, welche Zeichenanzahl passend ist)
Identischer Quelltext – unterschiedlicher Übersetzungstext Keine Ja
Klammern Keine Ja
Leerer Zielabsatz Keine Ja
Placeables* Placeables-Reihenfolge prüfen Ja
  Placeables-Formatierung prüfen Ja
Private Use Area-Zeichen** Keine Nein, wenn Kunde keine solchen Zeichen nutzt
Rechtschreibung Ignorieren, wenn dasselbe Wort im Quelltext vorkommt Ja
  Wörter in Großbuchstaben ignorieren Ja
  Wörter mit Zahlen ignorieren Ja
Satzendezeichen Keine Ja
Terminologie Stemming*** verwenden Nein
  Nur freigegebene Terme berücksichtigen Ja, wenn kundenspezifische Terminologie wichtig ist
  Nur Terme mit der Relation des aktuellen Projekts berücksichtigen Ja, wenn kundenspezifische Terminologie wichtig ist
Textgrenzen für Displaygrenzen Keine Nein, wenn keine Displaytexte übersetzt werden
Translation Memory Auf ##NO_MATCH##-Platzhalter prüfen Ja
  Auf unveränderte Fuzzy-Matches prüfen Ja
  Auf nicht verwendete 100%-Matches prüfen Ja
Übereinstimmung der Groß-/Kleinschreibung Vor fehlender Großschreibung am Satzanfang unabhängig vom Quelltext warnen Ja
Übereinstimmung der Segmentanzahl Keine Ja
Unterschiedlicher Quelltext – identischer Übersetzungstext Keine Ja
XML-Validität Keine Ja, wenn XML-Texte übersetzt werden

*Placeables sind als graue Felder dargestellte bestimmte Dokumentinformationen.

**Private-Use-Area-Zeichen sind vom Anwender frei definierbare Zeichen in der Unicode-Zeichentabelle.

***Stemming ist die Funktion, die Terminologie in einen Stamm und eine Endung trennt, um Ihnen so Terminologie vorschlagen zu können. Diese Funktion ist beim Übersetzen nützlich, aber in der Terminologieprüfung zeigt sie zu viele Fehler an.

Sie können natürlich auch weitere QM-Vorlagen anlegen, wenn Sie z. B. für einen Kunden einige Kriterien prüfen müssen, für einen anderen Kunden jedoch nicht.

Wenn Sie Ihre QM-Vorlage eingerichtet haben, wechseln Sie in den Systemeinstellungen auf „Projekteinstellungsvorlagen“.

Dort legen Sie eine neue Projekteinstellungsvorlage (PST) an und nennen diese z. B. „QM_v7“, aktivieren für diese PST die Funktion „Qualitätssicherung v7.0“ und wählen unter „QM-Vorlage“ die Vorlage aus, die Sie soeben eingerichtet haben. Wenn nötig, passen Sie auch noch die anderen Einstellungen für die PST an, z. B. „Auswahl von Systemattributen“, auf dem Reiter „crossTank“ die Speichereinstellungen, Abzüge und Vorübersetzung, und auf dem Reiter „crossTerm“ die Anzahl für Mehrwortkombinationen.

Sie können natürlich auch weitere QM-Vorlagen anlegen, wenn Sie z. B. für einen Kunden einige Kriterien prüfen müssen, für einen anderen Kunden jedoch nicht.

Wenn Sie nun neues Projekt anlegen, wählen Sie auf der zweiten Seite des Projekt-Assistenten links oben unter „Projekteinstellungen“ die PST „QM_v7“ aus.

Und schon können Sie die Qualitätssicherung der ATE v7.0 nutzen. Sie können natürlich auch das QM v7.0 für die Default-PST aktivieren, dann müssen Sie allerdings eine neue PST anlegen, falls Sie doch einmal die Qualitätssicherung v6.3 nutzen möchten.

Daher empfehle ich Ihnen, das QM v7.0 nur dann in der Default-QM-Vorlage zu aktivieren, wenn Sie die QM v7.0 dauerhaft nutzen wollen, denn dann sparen Sie sich die Auswahl der PST im Projektassistenten.

Die Qualitätssicherung v7.0 in crossDesk

Nachdem Sie Ihre Übersetzung abgeschlossen haben, können Sie die Qualitätssicherung vornehmen. Wechseln Sie dazu in crossView auf den entsprechenden Reiter und klicken Sie auf „Alle prüfen“.

Damit sammelt Across sämtliche vermeintliche Fehler und zeigt sie als Liste an. Diese Liste können Sie nun sukzessive abarbeiten. Mit den Pfeilschaltflächen oder der Tastenkombination Strg+Umsch+PfeilAbwärts springen Sie zum nächsten bzw. vorherigen (Strg+Umsch+PfeilAufwärts) Fehler. Mit dem Augensymbol können Sie Fehler, die Sie als „Ignorieren“ markiert haben einblenden bzw. ausblenden. Mit dem Trichtersymbol können Sie Kriterien filtern, um nur ein Kriterium zurzeit abzuarbeiten. Das entspricht dann in etwa dem QM-Batch-Modus, den es in QM v7.0 nicht mehr gibt. Wenn Sie in der contextView einen Absatz auswählen, werden in der QM-Liste automatisch alle Fehler für diesen Absatz farblich hervorgehoben.

Ebenso wird, wenn Sie einen Fehler in der Liste auswählen, automatisch der entsprechende Absatz angesteuert. Je Kriterium haben Sie verschiedene Möglichkeiten, mit dem angezeigten Fehler umzugehen. Bei einigen Fehlern müssen Sie entweder den Fehler selbst korrigieren oder Sie können „Ignorieren“ (Strg+Umsch+I) wählen. „Ignorieren“ müssen Sie auch Fehler, die Sie nicht korrigieren. Im Standalone-Modus ist es nicht so wichtig, da sind Sie für sich selbst verantwortlich. Aber für Pflichtkriterien im Offline-Client-Modus müssen Sie dies tun, da Sie sonst die Aufgabe nicht abschließen können.

Meine Empfehlung wäre aber, im Offline-Client-Modus grundsätzlich alle Fehler zu „Ignorieren“, die Sie nicht korrigieren. Sie zeigen dadurch Ihrem Kunden, dass Sie den Fehler gesehen und sich damit beschäftigt haben. Bei anderen Kriterien sehen Sie zusätzlich die Option „Übernehmen“ (Strg+Umsch+Enter). Diese Funktion finde ich äußerst praktisch, denn damit korrigiert Across den Fehler automatisch, ohne dass Sie im Target Editor den Fehler aufspüren und von Hand korrigieren müssen.

Das Kriterium „Rechtschreibung“ bietet Ihnen zusätzliche Optionen: Sie können das Wort durch Anklicken der Option „Zum Wörterbuch hinzufügen“, auf „Ähnlich“ filtern oder ein vorgeschlagenes Wort übernehmen, wobei auch dabei die Korrektur wieder automatisch erfolgt, ohne dass Sie eingreifen müssen.

Wenn Sie in der contextView einen Absatz auswählen, werden in der QM-Liste automatisch alle Fehler für diesen Absatz farblich hervorgehoben.

Fazit

Nachdem ich jetzt mehrere Projekte mit der neuen Qualitätssicherung bearbeitet haben, kann ich sagen, dass sie mir gefällt. Vor allem die automatische Korrektur, die fast komplette Steuerbarkeit mit der Tastatur und die Reduzierung der Kriterien durch Zusammenfassung finde ich gut. Es ist eine deutliche Umgewöhnung und ich habe noch keine Tests gemacht, ob die neue Qualitätssicherung schneller als die alte ist. Dazu brauche ich noch ein paar Projekte. Aber mein Gefühl sagt mir, dass sie schneller ist, allein schon deshalb, weil ich nicht mehr jeden Fehler im Target Editor aufspüren muss und von Hand korrigieren muss.

Über den Autor

Andreas Rodemann ist Diplom-Übersetzer mit den Arbeitssprachen Chinesisch und Englisch und arbeitet als freiberuflicher Übersetzer seit 2009 mit Across. Außerdem ist Andreas Rodemann seit vielen Jahren Moderator der „Übersetzer- und Dolmetscher-Lounge“ bei XING, in der er Kolleginnen und Kollegen auch über Across hinausgehend mit Rat und Tat unterstützt.

Website: AR-Übersetzungen