Blog-Beitrag vom 15.04.2019

Liegen Ihnen die Wörter auf der Zunge?

Wie ein Terminologiesystem Abhilfe schafft

Die konsistente Terminologieverwendung ist für international agierende Unternehmen quasi ein Muss, um die Übersetzungskosten möglichst gering zu halten und qualitativ hochwertige Texte zu produzieren. In der Praxis bietet sich jedoch oft ein anderes Bild.

Unternehmen haben oft keine Terminologiedatenbank im Einsatz, was Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette hat. Aber selbst wenn eine vorhanden ist, gestaltet sich die Terminologiearbeit immer noch sehr schwierig.

Ein Artikel von

Flurina Schwendimann
Content Management, Across Systems

Wie kann ein Unternehmen passende Prozesse etablieren, damit alle von der Terminologiearbeit profitieren?

Es spielt keine Rolle, ob ein Unternehmen mit Sprachdienstleistern oder freiberuflichen Übersetzern arbeitet. Am Ende der Lieferkette befindet sich immer ein Einzelkämpfer, der mehrere Projekte mit knappen Deadlines gleichzeitig jonglieren muss. Bei großen Projekten ist es auch üblich, dass mehrere Übersetzer gleichzeitig daran arbeiten.

Diese gängige Vorgehensweise funktioniert meistens gut. Eine Herausforderung jedoch ist es, wenn freiberufliche Übersetzer Aufträge ohne einschlägige Kundenterminologie erhalten. Der Rechercheaufwand von Fachbegriffen ist dann dementsprechend sehr hoch. Es ist für den Übersetzer zudem sehr schwierig einzuschätzen, ob ein bestimmter Fachbegriff im Kontext des Auftrages korrekt ist.

Wenn die Terminologie fehlt

Manchmal fällt dem Auftraggeber im Nachhinein auf, dass die falsche Terminologie benutzt wurde. Er meldet die Fehler dem zuständigen Projektmanager bzw. direkt dem Übersetzer, wenn er keine Agentur einsetzt. Diese gängige Praxis führt zu längeren Korrekturschleifen, Mehrkosten und Frustration bei allen Beteiligten im Übersetzungsprozess.

Manche Auftraggeber denken dann vielleicht: „Schuld daran ist der Übersetzer. Er hat nicht den nötigen Rechercheaufwand aufgebracht, um die richtige Terminologie zu finden. Deswegen muss er den Fehler korrigieren.“

Aber die Rede hier ist nicht von Alltagswörtern sondern von firmenspezifischen Fachbegriffen wie zum Beispiel übersetzte Titel hausinterner Richtlinien oder Menüpunkte der selbstprogrammierten Verwaltungssoftware. Dieser Jargon ist teilweise so spezifisch, dass der Übersetzer, obwohl er nach bestem Wissen und Gewissen arbeitet, Fehler machen wird.

Einige Übersetzer erstellen deshalb für Stammkunden ohne deren Unterstützung eine eigene Terminologiedatenbank, die mittel- bis längerfristig zeitsparend sein kann. Diese Vorgehensweise ist aber nicht unbedingt zielführend.

Das Unternehmen verpasst eine wertvolle Ressource, mit der die Textqualität verbessert werden kann. Der Übersetzer erfährt andererseits nicht von allen terminologischen Änderungen, die im Unternehmen im Nachhinein in die Texte durchgeführt werden.

Das Unternehmen verpasst eine wertvolle Ressource, mit der die Textqualität verbessert werden kann.

Lösung: Ein Terminologiesystem einführen

Eine sinnvollere Lösung, die den meisten bekannt sein dürfte, ist die Einführung eines Terminologiesystems. Darin wird der gesamte Fachwortschatz eines Unternehmens definiert und gepflegt. Außerdem können Zusatzinformationen zur Verwendung eines Fachwortes hinterlegt werden.

Unabhängig davon, ob Bedienungshandbücher, Schulungsunterlagen oder Displaytexte erstellt werden, wissen damit alle Bearbeiter, welche Benennung in einem bestimmten Kontext korrekt ist bzw. bevorzugt wird. Diese Funktion ist für die Marketing-Abteilungen sehr wichtig.

Sie bietet Hilfe, wenn ein Produktname lokalisiert werden muss oder, wenn Benennungen bzw. Übersetzungen in einem bestimmten Kontext vermieden werden sollen. Nutzt ein Redakteur oder Übersetzer einen nicht zugelassenen Term, wird er vom System darauf hingewiesen und bekommt eine Alternative vorgeschlagen.

Im Terminologiesystem wird der gesamte Fachwortschatz eines Unternehmens definiert und gepflegt.

Grünes Licht für den Kauf eines Terminologiesystems erhalten

Die Terminologiearbeit ist in der Übersetzungsbranche ein äußerst wichtiges Thema. Es ist ein Bestandteil eines jeden Übersetzungsstudiums und wird in zahlreichen Präsentationen, Büchern und Fachartikeln behandelt.

Warum wird also in der Praxis in Unternehmen immer noch unzureichende Terminologiearbeit geleistet? Warum legen Unternehmen keinen einheitlichen Prozess fest, um die Terminologie zu sammeln, definieren, klassifizieren und vereinheitlichen?

Eine Herausforderung kann sein, die Entscheider im Unternehmen für den Kauf eines Terminologiesystems zu überzeugen. Der Mehrwert und das Einsparpotenzial kann für jemanden, der sich mit dem Thema nicht auskennt, auf den ersten Blick nicht ersichtlich sein.

Im Unternehmen ist häufig nur ein kleiner Personenkreis für den Übersetzungsprozess zuständig. Dieser hat vielleicht nicht den nötigen Einfluss, um dem Management die Vorteile eines Terminologiesystems aufzuzeigen. Ein Tipp ist, andere Fachabteilungen miteinzubeziehen und das Projekt gemeinsam vorzustellen, da das gesamte Unternehmen von einem Terminologiesystem profitiert.

Das gesamte Unternehmen profitiert von einem Terminologiesystem.

Gängige Probleme von Terminologiedatenbanken

Auch Unternehmen, die bereits über ein Terminologiesystem verfügen, können im Arbeitsalltag Schwierigkeiten haben, das System erfolgreich einzusetzen. Meistens fehlt schlichtweg die Zeit, um die Terminologiedatenbank zu pflegen und neue Vorschläge aufzunehmen. Das ist ein Grund, weshalb oft nur große multinationale Unternehmen über eine gepflegte Terminologiedatenbank verfügen.

In anderen Fällen erhält der Übersetzer zwar eine Terminologiedatenbank, diese genügt aber nicht den Ansprüchen einer guten Datenbank.

Häufige Fehler in Terminologiedatenbanken sind:

  • Sie sind qualitativ nicht hochwertig, sie enthalten falsche Übersetzungen, weswegen der Übersetzer sie nicht benutzen kann.
  • Die Einträge sind unvollständig: Sie werden z. B. nicht in allen Sprachen gepflegt oder enthalten nicht alle Definitionen.
  • Sie entsprechen formal nicht den Kriterien einer guten Terminologiedatenbank. Zum Beispiel werden Anfangsbuchstaben von englischen Begriffen immer großgeschrieben, weswegen der Übersetzer die Terminologie nicht mit einem Klick übernehmen kann.
  • Die Terminologiedatenbanken werden firmenintern als „Wörterbuch“ verwendet. Teilweise stehen zehn unterschiedliche Terme für ein Alltagswort, die man sowieso je nach Kontext anders übersetzen, muss aber firmenspezifische Fachbegriffe sind nicht enthalten.

Der Terminologieprozess in der Praxis

Es kann nicht oft genug wiederholt werden, dass jedes international agierende Unternehmen von einer guten Terminologiedatenbank profitiert. Deswegen empfiehlt sich die Einstellung eines Terminologen, der sich dem Thema widmet.

Ein Terminologe alleine wird jedoch das Projekt nicht stemmen können: Wichtig für eine erfolgreiche Terminologiearbeit ist die Zusammenarbeit zwischen dem Terminologen, den Übersetzern und den Experten der verschiedenen Fachabteilungen. Jeder Akteur ist ein wichtiger Bestandteil im Terminologieprozess.

Oft bricht kurz nach der Einführung eines Terminologiesystems eine regelrechte Euphorie aus. Jeder schlägt neue Terme vor und die Datenbank wird fleißig gefüllt. Nach einigen Wochen oder Monaten jedoch legt sich diese anfängliche Begeisterung wieder und alles ist beim Alten. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, ist es wichtig, einen definierten Terminologieprozess zu gestalten. Dieser kann beispielsweise wie folgt aussehen:

Der Vorschlagende kann jeder im Unternehmen sein, der Zugriff auf das Terminologiesystem hat und einen Begriff findet, der seiner Meinung nach für alle relevant ist. Der Experte ist in dem Fall die Person, die sich z. B. mit dem Produkt, auf das sich der Fachbegriff bezieht, auskennt. Sobald der Fachbegriff vom Terminologen validiert wurde, können die Übersetzer informiert werden, um ihn zu lokalisieren. Der übersetzte Fachbegriff wird ggf. im Zielland von einem Reviewer geprüft danach vom Terminologen für alle sichtbar gestellt. Wenn der Begriff das nächste Mal in einem Text erscheint, sieht der Übersetzer im Editor den Eintrag in der entsprechenden Sprachrichtung.

Alternativ können Sie die Terminologiearbeit mit Ihren Übersetzern durchführen. Der Übersetzer für die jeweilige Sprachkombination kann dabei gleichzeitig als Vorschlagender, Terminologe und Übersetzer fungieren. Wichtige Voraussetzungen dafür sind, dass sich der Übersetzer tiefgründig mit dem Thema Terminologiearbeit befasst hat und Ihre Produkte oder Dienstleistungen sehr gut kennt. Außerdem ist eine enge Zusammenarbeit zwischen ihm und den jeweiligen Experten entscheidend.

Wichtig für eine erfolgreiche Terminologiearbeit ist die Zusammenarbeit zwischen dem Terminologen, den Übersetzern und den Experten.

Extra Tipp

Eine Terminologiedatenbank ist kein Alltagswörterbuch für den internen Gebrauch. Es soll eine Sammlung von firmenspezifischen Fachbegriffen sein, die einen echten Mehrwert bieten. Der Terminologe muss einschätzen, welche Terme aufgenommen werden. Nicht jeder Mitarbeiter sollte Terme freigeben dürfen: Sie setzen ja auch keine Menschen mit Traktorführerschein an das Steuer eines Ferraris (Zitat von Heike Kurtz).

Weitere Vorteile einer gepflegten Terminologiedatenbank

Auch die Technischen Redaktion und andere Abteilungen, in denen Content produziert wird, profitieren von einer gepflegten Terminologiedatenbank. Warum? Mittels einer Schnittstelle kann die Terminologiedatenbank, die in der Regel Teil eines Translation-Management-Systems ist, an das Redaktionssystem des Unternehmens angebunden werden. Die Autoren erhalten in Echtzeit Terminologievorschläge, die in der Vergangenheit in einem bestimmten Kontext verwendet wurden und schon übersetzt sind. Somit wird von Anfang an die terminologische Konsistenz sichergestellt.

Zusätzlich kann bei einigen Terminologiesystemen mit einem browserbasierten Zugriff der Firmenwortschatz dem gesamten Unternehmen als Nachschlagewerk zur Verfügung gestellt werden. Wenn die Terminologie im gesamten Unternehmen einheitlich benutzt wird, wird die Corporate Identity und das Kundenvertrauen gestärkt.

Außerdem ist es mit Programmen zur Autorenunterstützung wie z. B. Congree möglich, neue Terminologievorschläge direkt im Editor (z. B Microsoft Word) zu erfassen, mit Zusatzinformationen anzureichern und in die Terminologiedatenbank zu übertragen. Damit sparen die Mitarbeiter Ihres Unternehmens zusätzlich Zeit.

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Fazit

Ihr Unternehmen stellt hochwertige Produkte her oder bietet professionelle Dienstleistungen an. Für die Marktforschung, Entwicklung und die Produktion wird viel Geld ausgegeben. Wie diese Bereiche ist auch die Terminologiearbeit eine Voraussetzung für den Unternehmenserfolg. Ihr Unternehmen kann jedoch noch so gut sein, wenn Sie nicht die richtigen Worte finden, um sich dem Markt zu präsentieren, kann dies einen Wettbewerbsnachteil zur Folge haben.

Investieren Sie deswegen rechtzeitig in ein professionelles Translation-Management-System wie der Across Language Server mit einer Terminologiekomponente und pflegen Sie die Terminologiedatenbank, um am internationalen Markt Erfolg zu haben.

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Terminologieworkflows – Auf dem Weg zu mehr Konsistenz

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