Blog-Beitrag vom 11.06.2019

Finanzübersetzungen leicht gemacht

Internationale Banken, Anlagebanken, Privatbankhäuser, Banken für Firmenkunden und Finanzabteilungen großer Unternehmen haben eines gemeinsam, wenn sie global agieren: Sie brauchen Fachübersetzungen, auf die sie und ihre Kunden sich verlassen können.

Die gute Nachricht für Übersetzer: Das Auftragsvolumen für die Finanzindustrie ist so hoch wie nie zuvor. Slator geht in seiner Publikation „Slator 2018 Financial Industry Report“ von einem potenziellen Volumen von 1,17 Milliarden Dollar für Sprachdienstleistungen und -technologie in der Finanzindustrie aus.

Die Anfertigung von Finanzübersetzungen ist jedoch nicht einfach. In diesem Artikel wird beleuchtet, welche speziellen Eigenschaften Finanzübersetzungen haben und welche Kriterien die potenziellen Übersetzer oder Sprachdienstleister erfüllen müssen, damit die Übersetzungsqualität hoch und die Datensicherheit gegeben ist.

Ein Artikel von

Edward Vick
CEO, EVS Translations

Mit den folgenden Tipps können Sie Ihre Finanztexte erfolgreich übersetzen lassen.

Finanzübersetzungen: Eigenschaften

Finanzübersetzungen sind so vielseitig wie ihre Auftraggeber und Zielgruppen. Diese reichen von Anteilseignern, über Lieferanten und Kunden, Kreditoren, Marktbegleiter und Analysten bis hin zur interessierten Öffentlichkeit. Aufgrund dieser Vielseitigkeit müssen Finanzübersetzungen mit entsprechender Sorgfalt behandelt werden.

Die Herausforderungen von Finanzübersetzungen:

  • Die Themen sind hochkomplex und vielfältig, nicht jeder Finanzübersetzer beherrscht alle Fachbereiche.
  • Die Lieferzeiten sind kurz und die Textmengen in der Regel groß.
  • Die Qualitätssicherung muss einwandfrei sein.
  • Ohne eine angemessene Datensicherheit können finanzielle Schäden im Unternehmen entstehen.
  • Bei fehlerhaften Übersetzungen verliert das auftraggebende Unternehmen an Reputation.

Themen und Sprachen

Zu den häufigsten Themen und Textsorten gehören Geschäftsberichte, Due-Diligence- und Auditberichte, Compliance-Dokumentationen, Ad-hoc-Mitteilungen, Vorstandskommunikation und Analystenberichte. Aber auch juristische Übersetzungen können eine Unterkategorie von Finanzübersetzungen sein, zum Beispiel im Rahmen von Mergers & Acquisitions.

Die Hauptsprache solcher Finanzberichte und Unternehmenspublikationen ist Englisch – daher handelt es sich meist um einsprachige Übersetzungen, nämlich vom Englischen in eine andere Sprache und noch häufiger vice versa.

Beschaffungsmodelle

Auftraggeber haben die Wahl zwischen verschiedenen Beschaffungsmodellen und Übersetzungstechniken: Unternehmen können eigene Inhouse-Übersetzer oder gar eine eigene Sprachabteilung beschäftigen oder auf externe Ressourcen zurückgreifen. Diese können freiberufliche Übersetzer, Übersetzungsagenturen oder Übersetzungsunternehmen mit eigenen Inhouse-Übersetzern sein.

Einige Unternehmen lassen sogar bilinguale Mitarbeiter Übersetzungen neben ihrer eigentlichen Tätigkeit anfertigen. Dies ist aber aufgrund der Komplexität des Fachbereiches nicht zu empfehlen. Denn nur, weil ein Mitarbeiter zweisprachig ist, heißt das noch lange nicht, dass er schwierige Fachübersetzungen anfertigen kann.

Unternehmen können eigene Inhouse-Übersetzer oder eine eigene Sprachabteilung beschäftigen oder auf externe Ressourcen zurückgreifen.

Zeitplan

Geschäftsberichtsübersetzungen unterliegen saisonalen Schwankungen. Auftraggeber sollten deshalb bei der Planung und Erstellung von Geschäftsberichten berücksichtigen, dass Finanzübersetzer in dieser Zeit einen straffen Terminplan haben. Ein Tipp diesbezüglich ist, die Übersetzungen rechtzeitig anzumelden, um Wartezeiten zu vermeiden und den Veröffentlichungstermin einhalten zu können.

Einige Unternehmen hinterlegen Finanzberichte, Kapitalmarktinformationen zu Investmentvermögen, Geschäftsberichte oder Aktienkurse beim Bundesanzeiger.  Durch die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Sprachdienstleister können Unternehmen zusätzlich Zeit, aber auch Geld, sparen. Denn einige Sprachdienstleister haben sich auf die Formatierungsarbeiten gemäß den Vorgaben des Bundesanzeigers spezialisiert und können diesen Arbeitsschritt sowohl für die Dokumente in der Quellsprache als auch in der Zielsprache übernehmen.

Die Auswahl von Übersetzern oder Sprachdienstleistern

Bevor ein Übersetzer oder ein Sprachdienstleister ausgewählt wird, empfiehlt es sich, drei wichtige Kriterien zu prüfen:

  • Das Übersetzungsniveau des potenziellen Übersetzers,
  • das Vorhandensein eines erprobten Qualitätsmanagements und
  • die eingesetzten Datensicherheitsmaßnahmen.

Das Übersetzungsniveau

Unternehmen können die besten Ergebnisse erzielen, wenn sie gut ausgebildete Fachübersetzer einsetzen. Diese sollten zudem über langjährige Erfahrung in den Bereichen Finanz, Wirtschaft und Recht sowie über verlässliche Datenbanken für Finanzterminologie verfügen, z. B. nach HGB, IAS/IFRS, UGB und GAAP. Außerdem ist es von Vorteil, wenn Unternehmen den Übersetzern Styleguides und Terminologiedatenbanken der jeweiligen Unternehmenssprache zur Verfügung stellen, damit die Corporate Identity auch im Zieltext transportiert wird.

Oft sind die Themen und Textsorten von Finanzdokumenten – wie z. B. Geschäftsberichte, Quartalsberichte oder Jahresabschlüsse – wiederkehrend und wiederholend. Deshalb sind gut gepflegte Terminologiedatenbanken, Translation Memorys und Referenzdokumente das A und O. Sie ermöglichen es, einheitliche Texte zu produzieren und gleichzeitig Geld zu sparen, denn wiederkehrende Sätze werden in der Regel nicht zum vollen Wortpreis abgerechnet.

Unternehmen können die besten Ergebnisse erzielen, wenn sie gut ausgebildete Fachübersetzer einsetzen.

Das Qualitätsmanagement von Finanzübersetzungen

Zertifizierte Prozesse entsprechend der Anforderungen an Übersetzungsdienstleistungen nach ISO 17100 sowie Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme nach ISO 9001 machen jedes Übersetzungsprojekt beliebig skalierbar – in Umfang und Anzahl der Sprachkombinationen.

Außerdem muss die Qualität eines jeden einzelnen Auftrages sichergestellt werden. Translation-Management-Systeme, mit denen die Aufträge optimal koordiniert werden können, bieten deswegen eine Vielzahl von Qualitätssicherungsmaßnahmen. Zudem ist es ratsam, Finanzübersetzungen von fachkundigen Muttersprachlern nach dem Vier-Augen-Prinzip und in Abgleich mit dem Originaldokument Korrektur lesen zu lassen.

Die Akteure der Finanzbranche müssen festlegen, welche Übersetzungsmethoden für ihren Bedarf am geeignetsten sind. Sind Dokumente von besonders vertraulicher Natur, empfiehlt es sich, einen Inhouse-Finanzübersetzer eines Übersetzungsanbieters für kurze Zeit für das eigene Büro zu engagieren.

Für weniger sensible Themen oder um große Massen an Information zu erfassen, können maschinelle Übersetzungsmethoden in Kombination mit Post-Editing ausreichen. Oder aber man kombiniert die Humanübersetzung mit teilautomatisierten Übersetzungslösungen. Das Wichtigste dabei ist, dass die Übersetzung dem Zweck des Kunden dient, der nach Qualität, Preis oder Schnelligkeit priorisiert.

Die Beratung durch einen Sprachdienstleister kann einem Unternehmen helfen, Übersetzungsprozesse zu definieren und Prioritäten zu setzen.

White Paper
Die Einführung von maschineller Übersetzung

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Die Datensicherheit von Finanzübersetzungen

Gerade bei börsennotierten Prime-Standard-Unternehmen, aber auch bei anderen Finanzunternehmen, die mit sehr vertraulichen bis geheimen Daten umgehen, ist die sichere Datenhaltung zwingend erforderlich.

Bei Sprachdienstleistern sollte daher darauf geachtet werden, dass diese sowohl nach den jeweiligen Datenschutzbestimmungen des Landes sowie der DSGVO handelt und so vor allem personenbezogene Daten schützt und Insiderlisten führt. Dies ermöglicht, bei eventuellen Vorfällen wie der frühzeitigen Veröffentlichung, den Datenweg nachvollziehen zu können.

Außerdem empfiehlt es sich, Vertraulichkeitserklärungen von fest angestellten und freiberuflichen Mitarbeitern einzuholen. Von Vorteil ist auch, wenn er über die erforderlichen technischen und organisatorischen Vorkehrungen verfügt, um sichere Datentransportwege bereitzustellen.

Darüber hinaus sollten Auftraggeber bei Angebotsanfragen an ihm unbekannte Sprachdienstleister nicht direkt vertrauliche Verträge oder andere sensible Dokumente zukommen lassen, sei es per E-Mail oder über eine Plattform des Sprachdienstleisters. Für Auftraggeber empfiehlt es sich, sich im Vorfeld über den Grad der Verschlüsselung zu informieren und etwaige NDAs unterzeichnen zu lassen.

Holen Sie Vertraulichkeitserklärungen von fest angestellten und freiberuflichen Mitarbeitern ein.

Einige dieser Punkte sind notwendig, alle anderen können an das Sicherheitsbedürfnis des Kunden angepasst werden und sind damit fit-for-purpose, z. B. die Datenbearbeitung auf dem Server des Kunden anstatt auf dem des Sprachdienstleisters.

Durch das stetig wachsende Geschäftsfeld Fintech ist Cybersecurity ein Thema, das sowohl die Finanzindustrie als auch die Übersetzungsbranche umtreibt. Gesetzliche Bestimmungen im Finanzmarkt wie Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW) und Richtlinien über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) steigern den Bedarf an hochwertigen Finanzübersetzungen zusätzlich. Daraus resultieren weitere hochspezielle Anforderungen an Sprachdienstleister, die mit durchdachten Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in die Weiterbildung des Humankapitals – der Finanzübersetzer – auf die digitalen und regulatorischen Veränderungen reagieren müssen.

Fazit

Finanzübersetzungen gewinnen immer mehr an Wichtigkeit, deren Durchführung ist jedoch sehr komplex. Der Fachbereich ist breit gefächert und hat viele Unterthemen. Deswegen sollten Unternehmen einen Kooperationspartner auswählen, der zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Auftraggeber müssen zwischen verschiedenen Beschaffungsmodellen aussuchen, wobei Kriterien wie das Übersetzungsniveau, die Qualitätssicherungsmaßnahmen und die Datensicherheit beim potenziellen Auftragnehmer eine entscheidende Rolle spielen. Mit der richtigen Vorbereitung wird auch das anspruchsvollste Übersetzungsprojekt zu einem vollen Erfolg.

Über den Autor

Edward Vick ist Gründer und Geschäftsführer des internationalen Übersetzungsunternehmens EVS Translations. Unter seinem Motto „Keep it simple, keep it in-house“ unterstützt er mit rund 100 Inhouse-Übersetzern von fast 200 Mitarbeitern die Finanzbranche sowie Finanz-, Compliance- und Rechtsabteilungen von Unternehmen mit hochwertigen Humanübersetzungen.

Website: EVS Translations