Die Lokalisierung von Displaytexten

In einer globalisierten und vernetzten Welt ist die Lokalisierung von Texten unumgänglich. Seien es Geschäftsbriefe, Verträge, Broschüren oder Displaytexte. Oft geht es hierbei um mehr als die reine Übersetzung. Nicht nur Marketinginformationen, sondern auch rechtliche Aspekte müssen an die jeweilige Zielgruppe angepasst werden.

In diesem Artikel wird das Thema „Lokalisierung“ etwas technischer behandelt.

Welche Herausforderungen entstehen bei der Lokalisierung von Displaytexten und wie können diese bewältigt werden?

 

Die Übersetzung von Displaytexten ist ein komplexer Teilbereich der Softwarelokalisierung. Deswegen wird auch ein spezielles Augenmerk auf technologische Aspekte gerichtet. Weiterhin wird ein typischer Lokalisierungsprozess analysiert und seine Schwachstellen aufgedeckt. Zuletzt widmen wir uns der Frage, wie die Lokalisierung von Displaytexten mit Hilfe von einem Translation-Management-System (TMS) vereinfacht werden kann.

Herausforderungen bei der Lokalisierung von Displaytexten

Die fünf größten Herausforderungen, die bei der Lokalisierung von Displaytexten auftreten, sind die Feldlängenbegrenzung, die Lauflänge, der Einsatz von proprietären Schriftarten, die mangelnde Kontextinformation und die mangelnde Standardisierung der Dateiformate. Zwischen den ersten drei Herausforderungen bestehen wechselseitige Abhängigkeiten, sodass diese im Gesamten betrachtet werden sollten.

  • Feldlängenbegrenzung:
    Kurz gesagt passen auf kleine Displays nur kurze Texte. Außerdem ist zu bedenken, dass deutsche Wörter aufgrund zahlreicher Komposita länger sein können als die der Quellsprache. Beispielsweise ist die Übersetzung des englischen Begriffs „restore“ auf Deutsch „wiederherstellen“. Der Übersetzer muss die vorgegebene Zeichenbegrenzung kennen, um gegebenenfalls Alternativen finden zu können. Eine Ausnahme sind Displays mit Laufschrift, wobei auch hier lange Wörter den Lesefluss beeinträchtigen.
  • Lauflänge:
    Das Problem der Feldlängenbegrenzung kann nicht behoben werden, ohne die Lauflänge des Displays miteinzubeziehen. Wenn eine Zeichenbegrenzung angegeben wird, muss auch beachtet werden, dass die Lauflänge einiger Wörter größer ist, als die anderer. Beispielsweise hat das Wort „illegitime“ eine kleinere Lauflänge als „Myokardium“, obwohl beide Wörter aus zehn Buchstaben bestehen.
  • Proprietäre Schriftarten:
    Setzt ein Unternehmen für Displaytexte eine proprietäre Schriftart ein, kann der Übersetzer im Normalfall nicht darauf zugreifen. Dasselbe trifft zu, wenn ein Unternehmen eine bestimmte Schriftart gekauft hat, diese aber nicht für Übersetzungsdienstleister oder Freiberufler lizenziert ist. In diesen Fällen wird sie im Übersetzungseditor durch eine generische Schriftart ersetzt und die Lauflänge verfälscht.
  • Fehlende Kontextinformation:
    Der Übersetzer sieht in seinem Editor nur die einzelnen Software-Strings. Ohne zusätzliche Information wird er möglicherweise Übersetzungsfehler begehen.
  • Mangelnde Standardisierung der Dateiformate:
    Unternehmen entwickeln für Displaytexte oft eigene Dateiformate. Einige Unternehmen verwenden sogar parallel mehrere Dateiformate. Zudem kommen neue Displaytechnologien immer schneller und variantenreicher auf den Markt.

Analyse eines Lokalisierungsprozesses

Eine gängige Herangehensweise der Unternehmen ist die Trennung der zu übersetzenden Einheiten vom Quellcode. Denn Übersetzer könnten versehentlich Elemente aus dem Quellcode löschen und somit dem Unternehmen Mehraufwand verursachen. Deswegen werden die Strings oft herauskopiert und in eine Word- oder Excel-Datei eingefügt. Diese Dateien werden dem zuständigen Sprachdienstleister übergeben, der sie anschließend an die jeweiligen Übersetzer weiterleitet. Nach der Bearbeitung durchlaufen die Dateien die Lieferkette rückwärts, bis das Unternehmen sie in die Software einspielt.

In vielen Fällen kommt es spätestens ab diesem Punkt zu Problemen: Die Übersetzung ist zu lang und passt nicht in die Ausmaße des Displays oder sie ist in einem bestimmten Kontext unpassend. Diese Information wird dem Sprachdienstleister präsentiert und er leitet sie dem zuständigen Übersetzer weiter. Es entstehen Mehrfachdurchläufe, bis alle Textbausteine im wahrsten Sinne des Wortes passen.

Diese Methode ist sehr aufwändig, denn es geht dabei nicht nur kostbare Zeit verloren, die die Time-to-Market verlängern, sondern es geht auch um Geld. Der Sprachdienstleister stellt diesen langwierigen Prozess in Rechnung. Werden die Displaytexte noch in mehreren unterschiedlichen Formaten bereitgestellt, erhöht sich der Rechnungsbetrag weiter.

Der komplexe Prozess der Displaylokalisierung kann mit dem Einsatz eines Translation-Management-Systems optimal koordiniert und ausgeführt werden.