Blog-Beitrag vom 07.10.2019

Berufsoptionen nach dem Übersetzungsstudium

Die Frage, die ich mir als Übersetzungsstudentin wohl am meisten gestellt habe, war „welche Berufsperspektiven habe ich?“ Mir war schon klar, dass ich Übersetzerin werden könnte, aber seien wir realistisch: Als 18-jährige Person weiß man selten, welchen Beruf man konkret ausüben möchte. Häufige Angaben sind „etwas mit Sprachen“ oder „etwas mit Computern“ aber selten sind am Anfang des Studiums schon alle Karriereschritte durchgeplant.

Mittlerweile habe ich eine viel bessere Vorstellung davon, welche Berufe ein ausgebildeter Übersetzer ausüben kann, wenn er sich nicht (sofort) selbstständig machen will oder eine Festanstellung als Übersetzer findet. Von denen gibt es deutschlandweit übrigens nur 8.813 (Stand September 2018, Quelle: Arbeitsagentur).

Ein Artikel von

Flurina Schwendimann
Content Management, Across Systems

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Berufsperspektiven Sie nach dem Übersetzungsstudium haben, wenn Sie nicht als Übersetzer arbeiten möchten.

Im Rahmen meiner Recherche wurde ich mit der Frage konfrontiert, ob ich angehende oder freiberufliche Übersetzer mit diesem Artikel dazu raten möchte, einen anderen Beruf zu wählen. Davon möchte ich mich ganz klar distanzieren. Übersetzen ist ein spannender Beruf, aber es ist gut zu wissen, dass das Studium noch viele weitere Optionen eröffnet.

In welchen Bereichen kann also ein Übersetzer potenziell arbeiten? Die Optionen sind sehr vielfältig: Marketing, Journalismus, Recruitment, Verlagswesen, Medien, Projektmanagement, Relocation Management, Support, Technical Writer (mit Zusatzausbildung), PR, Social Media, Lehrtätigkeit (mit Zusatzausbildung) etc.

Wir haben mit sieben Menschen gesprochen, die Übersetzung studiert haben und nun in den unterschiedlichsten Bereichen arbeiten. Vielen Dank für ihre Geschichten und Karriereimpulse.

Azadeh Eshaghi, Selbstständige Beraterin für Terminologie- und Wissensmanagement

Beruf

Ich habe an der Hochschule Magdeburg-Stendal Internationale Fachkommunikation studiert. Der Schwerpunkt des Studiums lag auf Technikübersetzen, jedoch hatten wir auch die Möglichkeit, uns auf andere Gebiete zu spezialisieren, was ich tat. Mich hat das Gebiet der Terminologiearbeit sehr schnell gepackt. In diesem Gebiet habe ich schließlich meine Diplomarbeit für ein Unternehmen geschrieben, das mich als Terminologie- und Übersetzungsmanagerin eingestellt hat. 

Nach einigen Jahren des Arbeitens im Angestelltenverhältnis wurde mir mein Tätigkeitsfeld zu eng und ich wollte ausbrechen und mich weiterentwickeln.
Seit sechseinhalb Jahren bin ich nun selbstständig als Beraterin für Terminologie- und Wissensmanagement tätig. Mein Geschäftsfeld entwickle ich ständig weiter und ich genieße die Freiheit, Projekte zu starten, Tätigkeiten oder generell Dinge auszuprobieren, welche mir am Herzen liegen, ohne eine lange Kette von Vorgesetzten erst überzeugen und dann um Erlaubnis bitten zu müssen. 

Diese Freiheit fördert nicht nur meine Kreativität, sondern ich wachse auch daran. Lebenslanges Lernen ist eine Lebenseinstellung, welche neben Studium, Weiterbildung oder Selbststudium, auch praktische Erfahrungen erfordert. Erst dann ist man in der Lage, Informationen in wertvolles Wissen umzuwandeln.

Studium

Vor meinem Studium der Internationalen Fachkommunikation studierte ich drei Semester BWL. Das Studium war zur damaligen Zeit nicht das richtige. Ich konnte mich mit der recht trockenen Materie nicht wirklich identifizieren. Danach wollte ich „etwas mit Sprachen“ studieren, aber es sollte praktisch sein. Wirtschaftsübersetzen war meine Lösung. Ich konnte also BWL mit Sprachen verbinden – so dachte ich. Erst nach meinem Auslandspraktikum, als ich mit der Technikseite in Berührung kam, habe ich meine Richtung zu Technikübersetzen gewechselt. Im Laufe meines Hauptstudiums lernte ich die Terminologiearbeit kennen und wusste dann, wohin es mit mir gehen sollte. Die Idee hinter dem Zusammenhang von Begriffen und ihren Benennungen war etwas, womit ich mich eigentlich immer ein wenig befasst hatte.
Nach meinem Studium entschied ich mich, mir auch die verschiedenen Techniken des Dolmetschens und des Notierens in einer Weiterbildung anzueignen. Als ich mich selbstständig machte, fing ich schließlich auch mit dem Dolmetschen an.
Seit etwa drei oder vier Jahren dolmetsche ich überwiegend im medizinischen und psychotherapeutischen Umfeld, was bedeutet, dass ich in völlig anderen Gebieten tief eintauche, welche mich sehr faszinieren.

Übersetzung

Vorweggesagt finde ich das Übersetzen an sich sehr spannend. Die Kreativität, die tiefergehenden Recherchen und die unglaubliche Menge an Allgemein- und Fachwissen sind schon wahnsinnig reizvolle Aspekte. Für mich persönlich reicht das aber nicht. Von meiner Tätigkeit erwarte ich mehr Abwechslung, mehr strategische Verantwortung, mehr Organisation, noch mehr Kreativität und vor allem mehr Teamwork und intensiveren Kontakt zu Spezialisten aus anderen Gebieten. 

In den vier Jahren als Dozentin an einer höheren Berufsfachschule bildete ich angehende Übersetzer/innen, vor allem in Technikübersetzen (FR-DE, EN-DE), aus. Meinen Studentinnen und Studenten empfahl ich immer: Bleiben Sie auf dem neuesten Stand der Technik. Arbeiten Sie nach den neuesten Standards. Informieren Sie sich, bilden Sie sich weiter und gehen aus Ihren vier Wänden heraus und bilden Sie Netzwerke. 
Gern gebe ich auch einen Rat weiter, den mir ein Dozent mit auf dem Weg gab: „Arbeiten Sie nie etwas, was Ihnen keinen Spaß macht!“
Seien Sie kreativ, finden Sie andere Wege und verlassen Sie ruhig auch mal Ihre Komfortzone, um Neues auszuprobieren und voranzukommen.

Nach einigen Jahren des Arbeitens im Angestelltenverhältnis wurde mir mein Tätigkeitsfeld zu eng und ich wollte ausbrechen und mich weiterentwickeln.

Anna Kraft, Lehrerin an einer Berufsfachschule für Kinderpflege

Beruf

Ich unterrichte Deutsch und Englisch an einer Privatschule in Klassen mit angehenden Kinderpflegern (ähnlich dem Berufsbild eines Erziehers). Meine Tätigkeiten umfassen alle anfallenden Aufgaben eines normalen Lehrers: Unterricht vorbereiten und durchführen, Leistungsüberprüfungen durchführen und dokumentieren, Klassenbuchführung, Klassenlehrertätigkeit, Teilnahme an Team- und Gesamtlehrerkonferenzen, Elterngespräche etc.

Der Alltag eines Lehrers stellt einen täglich vor neue Herausforderungen. Es gibt ständig andere Gesichter, Charaktere, Menschen, Sorgen und Probleme. Eigentlich bin ich ins eiskalte Wasser geschmissen worden. Die Tatsache, dass ich im Grunde immer unterrichten wollte und mich während des Studiums bei meinen Nebenjobs, privat oder mit weiterführenden Themengebieten außerhalb des Studiums mit Didaktik und Pädagogik beschäftigt habe, hat mir sicherlich geholfen. Praxis und Theorie sind aber zwei Paar Schule und den ersten Tag sieben Stunden lang vor einer Klasse zu stehen, werde ich niemals vergessen.

Studium

Ich habe den Bachelor Übersetzungswissenschaft in Heidelberg absolviert. Im Anschluss merkte ich aber, dass ich den Master lieber in einem anderen Bereich machen wollte. Schließlich habe ich Deutsch als Zweitsprache studiert.

Im Studium der Übersetzungswissenschaft wurden mir einige Kenntnisse vermittelt, die für die Ausübung meines jetzigen Berufs hilfreich sind. Ich konnte zum einen natürlich meine Sprachkenntnisse in Spanisch und Englisch weiter ausbauen (auch wenn ich Spanisch zurzeit leider nicht unterrichte) und zum anderen meine schriftliche Ausdrucksweise erheblich verbessern, was mir besonders bei der Bewertung von Schülertexten zugutekommt. Hinzu kommen alle anderen Fähigkeiten, die in einem akademischen Studium vermittelt werden: selbstständiges Arbeiten und Erschließung neuer Themengebiete, akademische Ausdrucksfähigkeit, fundierte Meinungsfindung sowie analytisches Denkvermögen usw.

Übersetzen

Ich habe mich dazu entschieden, nicht als Übersetzerin arbeiten, da für mich kein Beruf infrage kommt, bei dem ich lange Zeit am Stück sitzen muss und mich über einen längeren Zeitraum ausschließlich mit dem Computer bzw. dem Internet beschäftigen muss. Übersetzen macht mir Spaß – ist jedoch nicht 100 % zu meinen Stärken passend.

Ich könnte mir vorstellen, höchstens nebenberuflich irgendwann als Übersetzerin zu arbeiten. Damit der Beruf des Übersetzers für mich wirklich interessant wäre, müssten wir vermutlich zurück in die Steinzeit reisen, damit Computer nicht mehr essenziell wären. Schüler bringen mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück mit ihren großen und kleinen Problemen, sie zeigen mir eine andere Welt. Ich denke nicht, dass ein Kunde oder ein Vorgesetzter im Büro das jemals könnte.

Ein Tipp, den ich jedem angehenden Übersetzer geben würde, ist: Probiert euch aus, und wenn es nichts für euch ist, dann gibt es auch andere Dinge, die ihr tun könnt. Übersetzen kann Spaß machen, auch wenn man es nicht als Berufung für sich selber sieht.

Praxis und Theorie sind aber zwei Paar Schule und den ersten Tag sieben Stunden lang vor einer Klasse zu stehen, werde ich niemals vergessen.

Evelyn Fischer, Customer Care Advisor bei Roche Diabetes Care Deutschland

Beruf

Nach meinem Bachelorstudium Übersetzen habe in den USA den Masterstudiengang TESOL (Teaching English to Speakers of Other Languages) erfolgreich abgeschlossen und bin anschließend nach Deutschland zurückgekehrt. Dort habe ich in Mannheim an der Summer School Deutsch unterrichtet. Im Anschluss habe ich im Übersetzungsmanagement als Projektmanagerin, Übersetzerin und Lektorin angefangen. Das habe ich dreieinhalb Jahre gemacht, anschließend habe ich das mittelständische Unternehmen verlassen und bin zur Deutschen Bahn ins Übersetzungsmanagement gewechselt, wo ich als Auftragsmanagerin tätig war. Heute arbeite ich als Customer Care Advisor bei Roche Diabetes Care Deutschland.

Da bin ich für den technischen Support für – aktuell – die Niederlande zuständig. Das heißt, ich betreue Privatkunden, Ärzte, Apotheken und Krankenhäuser, wenn es um Probleme mit Fragen zu Blutzuckermessgeräten geht. Später werde ich auch noch für weitere Länder eingesetzt werden, darunter wahrscheinlich Belgien, Deutschland und/oder Großbritannien.

Ich bin Quereinsteigerin und habe den Einstieg über die sprachlichen Qualifikationen geschafft. Hier hatte ich eindeutig den Vorteil, weil ich eine „kleine“ Sprache studiert habe.

Studium

Ich habe mich dazu entschieden, Übersetzung zu studieren, weil mein Onkel und meine Tante beide Übersetzer sind und ich wollte schon früh auch Literaturübersetzer werden. Das war meine Inspiration für das Studium, welches mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber keine Ahnung, dass ich nach meinem Abschluss so viele Berufsoptionen haben würde! Um ehrlich zu sein, hat mich die Auswahl zunächst etwas überfordert, weil ich mich nicht so recht entscheiden konnte, was ich eigentlich wirklich machen wollte. Ich wusste nur sicher, dass ich nicht direkt nach dem Studium selbstständig sein möchte.

Verschiedene Kenntnisse, die ich während des Studiums gelernt habe, sind mir noch heute nützlich. Das schnelle Wechseln zwischen Sprachen ist in meinem heutigen Beruf auf jeden Fall hilfreich. Auch die Notizentechnik, die ich damals gelernt habe, kommt immer mal wieder zum Einsatz.

Übersetzung

Ich habe sieben Jahre lang neben dem Studium und später neben meinem Hauptberuf als Übersetzerin gearbeitet, um mir etwas dazuzuverdienen. Den vollen Einstieg in die Selbstständigkeit wollte ich bis heute nicht wagen.

Ich möchte nicht ausschließen, zukünftig wieder als Übersetzerin zu arbeiten, aber mein aktueller Job macht mir sehr viel Spaß. Ich träume immer noch von einer Stelle, die mich auch das Übersetzen ausüben lässt. Daher kann ich mir durchaus vorstellen, künftig auch wieder als Übersetzerin zu arbeiten – jedoch nicht ausschließlich. Mir persönlich ist die reine Übersetzertätigkeit zu einsam.

Ein paar Tipps für angehende Übersetzer: Macht Praktika, schaut euch in der Branche um, probiert verschiedene Berufe aus – ich hätte mir gerne mehr Einblicke in die verschiedenen Berufsoptionen verschafft. Es gibt wirklich tolle Berufe, an die man zunächst vielleicht gar nicht denkt. Und wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchte: Unterhaltet euch mit anderen Freiberuflern, wie sie den Einstieg geschafft haben. Denn das, was einem oft an der Uni erzählt wird (gerade zum Thema Preisgestaltung) entpuppt sich in der Wirklichkeit häufig als etwas unrealistisch – zumindest für Berufseinsteiger.

Ein paar Tipps für angehende Übersetzer: Macht Praktika, schaut euch in der Branche um, probiert verschiedene Berufe aus.

Stephanie Piehl, Terminologin bei Agilent Technologies

Beruf

Nach dem Übersetzungsstudium habe ich zunächst mit kleineren Übersetzungsprojekten auf freiberuflicher Basis versucht, erste Berufserfahrung zu sammeln. Eigentlich wollte ich aber lieber als Übersetzerin in Festanstellung, vorzugsweise in einer größeren Anwaltskanzlei, arbeiten. Zum Ende meines Studiums (2006) wurden Übersetzungsarbeiten jedoch von den meisten Firmen extern vergeben, festangestellte Übersetzer leistete sich kaum jemand.

Nach einer Weile streckte ich meine Fühler etwas weiter in der Branche aus und nahm so letztendlich eine Stelle als Projektmanagerin in einer kleinen Übersetzungsagentur an. Aufgrund der Größe des Unternehmens wurden hier viele Lektoratsarbeiten und auch kleinere Übersetzungsaufträge noch intern erledigt, sodass ich nicht ganz so weit von der eigentlichen Übersetzertätigkeit weg war und zugleich aber auch einen guten Einblick in die verwaltungstechnische und organisatorische Seite des Übersetzerberufs bekommen konnte – zum Beispiel waren auch die Kundenakquise und die Beratung zu CAT-Tools und Terminologiearbeit Teil meines Tätigkeitsbereichs.

Nach zweieinhalb Jahren wechselte ich zu einem anderen Sprachdienstleister, ebenfalls als Projektmanagerin für Übersetzungsprojekte. Aber das Tätigkeitsfeld war mehr auf das reine Projektmanagement beschränkt. Linguistische bzw. translatorische Tätigkeiten waren nicht gefragt. Aus diesem Grund entschloss ich mich nach zweieinhalb Jahren, wieder als Freiberuflerin zu arbeiten. Jedoch beschränkte ich mich dabei nicht aufs reine Übersetzen, sondern bot auch Projektmanagement und Consulting im Bereich Lokalisierung an. Einer meiner größten Kunden war damals direkt Agilent. Ich übernahm das Projektmanagement der Lokalisierung für den deutschsprachigen Raum und konnte aufgrund meiner Berufserfahrung auch bei Fragen zu Translation-Management-Systemen und Terminologie-Management weiterhelfen.

Als Agilent 2016 beschloss, das Terminologie-Management in Zukunft intern zu übernehmen, wurde mir die neu geschaffene Stelle als Terminologin angeboten, die ich nun komplett nach meinen Vorstellungen gestalten kann.

Die Aufgaben und Verantwortungen in meinem jetzigen Beruf sind Terminologiemanagement (Englisch als Quellsprache mit neun Zielsprachen), Pflege der Terminologiedatenbanken (TermWeb und Acrolinx), Termextraktion aus bestehenden Publikationen, Zusammenarbeit mit den verschiedenen Produktlinien zur Erstellung und Pflege der (neuen) Produkt- und Teilenamen und der entsprechenden technischen Fachbegriffe, Zusammenarbeit mit dem Lokalisierungsteam bei der Lokalisierung der extrahierten Terminologie, Acrolinx- und Terminologieschulungen für interne und externe Mitarbeiter, Erstellung und Pflege der Style-Guides für die Lokalisierung und laufende Aktualisierung und Dokumentation aller mit der Terminologiearbeit verwandten Prozesse.

Ich habe mich schon immer für Terminologie interessiert, bereits meine Diplomarbeit war eine Terminologiearbeit. Als Freiberuflerin war mein jetziger Arbeitgeber Agilent schon mein Kunde und ich konnte aufgrund meiner Berufserfahrung, und da ich mich parallel stetig im Bereich CAT-Tools und Terminologie weitergebildet hatte, oftmals bei Fragen zu diesen Bereichen aushelfen, besonders wenn der Consultant, der damals das Terminologiemanagement übernommen hatte, aufgrund unterschiedlicher Zeitzonen nicht erreichbar war.

Studium

Im Grunde lag es nahe, Übersetzung zu studieren, da ich in der Schule in Sprachen immer mit sehr wenig Aufwand sehr gute Noten erhielt. Als ich dann einmal an einer Konferenz teilnehmen durfte, bei der auch gedolmetscht wurde, war der Berufswunsch gefasst. Im Grundstudium liefen Übersetzen und Dolmetschen noch parallel, sodass man in beide Bereiche „reinschnuppern“ konnte. So wurde mir bewusst, dass ich mich eigentlich gerne viel länger mit Texten beschäftigte, um die perfekte Formulierung zu finden, als das beim Dolmetschen möglich ist. Somit habe ich mich letztendlich fürs Übersetzen entschieden.

Ich wusste während des Studiums realistisch gesehen nicht, welche Berufsoptionen ich haben würde. Wir hatten gegen Ende der Schulzeit einen Informationsabend zu verschiedenen Berufen. Das dort vermittelte Bild der beruflichen Situation als Übersetzer traf aber (zumindest, bis ich das Studium beendet hatte) nicht (mehr) zu. Ich dachte damals, dass ich mal als Gerichtsdolmetscherin arbeiten würde – in Festanstellung versteht sich...

Ich habe aber, um ehrlich zu sein, relativ wenige Kenntnisse vom Studium mitgenommen, die mir jetzt noch hilfreich sind. In meinem Beruf ist ein sehr gutes technisches Verständnis der verschiedenen Tools eine Grundvoraussetzung. Dies wurde zumindest damals leider gar nicht vermittelt. Es gab zwar ein oder zwei CAT-Tool-Kurse pro Semester, aber die waren immer schon überfüllt. Auf Terminologiemanagement wurde so gut wie gar nicht eingegangen. Lediglich für die Fachübersetzungsübungen wurde uns geraten, ein Glossar zu erstellen.

Was mir heute tatsächlich noch etwas bringt, ist der kulturwissenschaftliche Aspekt, der im Studium vermittelt wird, da ich heute mit Mitarbeitern aus den verschiedensten Kulturkreisen zusammenarbeite.

Übersetzung

Ich habe ca. drei Jahre als Übersetzerin gearbeitet aber mich für einen anderen Beruf entschieden. Hauptsächlich, weil ich die Unsicherheit nicht mag, welche die Freiberuflichkeit mit sich bringt. Auch das Eintreiben von Rechnungsbeträgen, was doch relativ häufig vorkommt, war nicht wirklich meine Lieblingsbeschäftigung. Festanstellungen sind in diesem Bereich leider nach wie vor sehr rar.

Wenn ich in meinem jetzigen Beruf nicht so glücklich wäre, könnte ich mir eventuell vorstellen, zukünftig wieder als Übersetzerin tätig zu sein. Ich arbeite einfach gerne mit Sprachen und freue mich, wenn es mir gelingt, die Brücke zwischen zwei Sprachen zu bilden und somit Inhalte einer anderen Sprecherfamilie zugängig zu machen.

Meine Tipps für angehende Übersetzer: Man sollte frühzeitig einfach mal Stellenanzeigen in dem Bereich, in dem man nach dem Studium tätig werden möchte, durchsehen, um zu schauen, welche Fähigkeiten gefordert werden. So kann man sich in diese Richtung weiterbilden und hat gleichzeitig einen Überblick über den Stellenmarkt.

Als Übersetzer stehen einem sehr viele Wege offen – manchmal auch über Umwege und es lohnt sich, über den Tellerrand hinauszuschauen. Zum Beispiel arbeitet ein ehemaliger Kommilitone inzwischen als Lehrer und ist damit sehr glücklich.

Ich habe mich schon immer für Terminologie interessiert, bereits meine Diplomarbeit war eine Terminologiearbeit.

Luna Dreyer, Executive Recruitment Consultant bei Projectus Consulting

Beruf

Nach meiner Teilnahme am Erasmus-Plus-Programm in Spanien bekam ich dank meiner Sprachkombination meine erste Stelle als internationale Vertriebsmitarbeiterin. Ich nahm mir dafür ein Urlaubssemester und hatte dadurch nach dem Abschluss meines Bachelors bereits eine Stelle in einem Marketingunternehmen als Account Managerin in der DACH-Region. Ein Jahr später konnte ich mein Gehalt als Success Partner Manager bereits verdoppeln. Anschließend war ich als Projektmanagerin bei einer australischen Investorengruppe im Rahmen eines befristeten Projekts tätig. Heute arbeite ich als Headhunterin im onkologischen Bereich und bin für die Iberische Halbinsel und die DACH-Region zuständig. Als Headhunterin führe ich telefonische Qualifikationsgespräche mit potenziellen Kandidaten und begleite sie durch den Rekrutierungsprozess. Ohne meine Vorerfahrung im Vertrieb hätte ich meine jetzige Stelle nicht bekommen.

Studium

Ich bin halb Deutsche und halb Spanierin. Da ich schon als Kind beide Sprachen erlernte, fällt es mir leicht, in beiden Sprachen zu kommunizieren. Ich entschied mich damals für Übersetzungswissenschaft, weil es für mich das einfachste Studium war. Aber da wusste ich noch nicht, welche berufliche Perspektiven ich haben würde.

Das Studium war dahingehend hilfreich, weil ich lernte, wie groß die Welt ist und, dass unsere Entscheidungen uns ein Leben lang prägen. Es gibt fast unendliche Möglichkeiten, man muss nur mutig genug sein, um sie zu nutzen.

Übersetzung

Freiberufliche Übersetzerin zu sein, ist mir einfach zu unsicher. Es gibt so viel Wettbewerb und der Beruf wird leider nicht immer wertgeschätzt. Ich möchte nicht von einem Nebenberuf abhängig sein, um über die Runden zu kommen. Deswegen könnte ich mir auch nicht vorstellen, zukünftig als Übersetzerin zu arbeiten. Es ist sehr schwierig, finanziell abgesichert zu sein. Der Fokus meiner Karriere liegt im internationalen Vertrieb. Da ich mehrere Sprachen spreche, komme ich mit vielen Menschen in Kontakt und ich kann viel Reisen.

Mein persönlicher Tipp für Übersetzungsstudenten: Sie sollten früh lernen, Excel zu beherrschen. Das Programm ist nicht nur für die persönliche Finanzverwaltung wichtig, sondern kann auch eine Vielzahl anderer Tools ersetzen. Außerdem sollten sie so viel wie möglich Reisen und neue Menschen kennenlernen. Denn Networking ist das A und O, um einen guten Beruf zu finden.

Als Headhunterin führe ich telefonische Qualifikationsgespräche mit potenziellen Kandidaten und begleite sie durch den Rekrutierungsprozess.

Christian Szymala, Support Specialist bei Across Systems

Beruf

Mein Übersetzerstudium schloss ich im Herbst 2012 in den Fachbereichen Sprache, Kultur und Translation in Germersheim ab. Bereits während des Studiums habe ich freiberuflich für LSPs sowie auch für private Kunden übersetzt. Allerdings merkte ich, dass die Arbeit als freiberuflicher Übersetzer nicht mein Hauptberuf werden soll. Bevor ich im Februar 2016 zu Across ging, arbeitete ich bei zwei kleineren Dienstleistern für Technische Kommunikation als Technischer Redakteur und Übersetzungsmanager.

Aktuell habe ich bei Across die Position des 3rd Level Support. Meine Aufgaben sind:

  • Bearbeitung von Tickets, die vom 1st und 2nd Level nicht gelöst werden konnten.
  • Selbstständige Reproduktion, Testen, Lösungswege/Workarounds für Kunden anbieten, per Ticket-System oder auch per Remote-Session.
  • Entscheiden, ob Ticket als Service Request an die Entwicklung gehen soll oder ob es auch mit Hilfe von Consulting gelöst werden kann. Falls keine Lösung möglich ist, erstelle ich die Service Requests für die Entwicklung.
  • Anfordern oder Erstellen von zusätzlichen Daten für die Analyse beim Kunden.
  • „Übersetzen“ technischer Erklärungen für Kunden in „normale“ Sprache.
  • Direkter Ansprechpartner für vier von sechs Premiumkunden
  • Pflege unserer internen Knowledge Base und Dokumentation von gelösten Fällen.

Der Einstieg in den Support war nicht einfach, vor allem da mir am Anfang der IT-Background fehlte. Der Einstieg klappte dank guter Einarbeitung durch Kollegen sowie meiner Fähigkeit mir schnell neues Wissen anzueignen und selbstständig etwas Neues zu probieren: „Mut zur Lücke“.

Studium

Ich bin bilingual aufgewachsen (Deutsch und Polnisch). Die sprachliche Komponente war bei mir daher ausgeprägter als andere Bereiche. Mein Ziel war es eigentlich, einen Beruf zu finden, wo ich viel Kontakt zu Polen haben könnte. Die potenziellen beruflichen Optionen kamen erst während des Studiums auf. Die erste, offensichtlichste Wahl war der Beruf als Übersetzer. Dieser rückte jedoch immer weiter in den Hintergrund, da es wenige „gute“ Stellen für festangestellte Übersetzer gibt und der Beruf des Freiberuflers ein „hartes Brot“ sein kann. Im Studium der Übersetzungswissenschaft habe ich jedoch wertvolle Kenntnisse gelernt: vor allem die Kommunikation und das Formulieren von Antworten in Mutter- und Fremdsprache. Aber auch das selbstständige Einarbeiten in fachfremde Bereiche, Recherchekompetenz, Flexibilität und kulturelle Kompetenz wurden mir im Studium vermittelt.

Übersetzung

Den Beruf des Übersetzers übte ich fünf Jahre lang nebenberuflich aus. Für mich war es bereits während meines Studiums klar, dass ich nicht auf freiberuflicher Basis arbeiten möchte. Ich brauche nämlich den Austausch mit Kollegen und insgesamt ist mir persönlich der Beruf zu wenig abwechslungsreich. Außerdem arbeite ich ungern von Zuhause aus, er ist mir finanziell zu unsicher und ich habe im Angestelltenverhältnis eine bessere Zeitplanung.

Als angehender Übersetzer sind gute Kenntnisse der Fremdsprache und Muttersprache nur ein Aspekt. Mindestens genauso wichtig sind gute Softwarekenntnisse (nicht nur CAT-Tools) sowie auch Kenntnisse in Wirtschaft, Recht, Technik etc. Man sollte bereits während des Studiums Praktika machen, um zu wissen, ob man als Übersetzer wirklich arbeiten will. Sie sind außerdem eine gute Möglichkeit, um andere Bereiche kennenzulernen und so eventuell berufliche Alternativen ausloten.

Oft ist es so, dass man erst „on the Job“ merkt, was man beruflich wirklich machen will. Je eher man das merkt umso besser, wenn man sich dann bewirbt. Mit dem Abschluss als Übersetzer hat man durchaus Möglichkeiten, man muss sich nur frühzeitig damit befassen.

Der Einstieg klappte dank guter Einarbeitung durch Kollegen sowie meiner Fähigkeit mir schnell neues Wissen anzueignen und selbstständig etwas Neues zu probieren.

Céline Kuklik, Volontärin an der Journalistenschule ifp München

Beruf

Schon während meiner Masterarbeit im letzten Jahr habe ich mich bei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten für ein journalistisches Volontariat beworben – erfolglos. Dann habe ich mich bei der katholischen Journalistenschule ifp in München beworben und alle Bewerbungsphasen erfolgreich überstanden. Seit Oktober 2018 bin ich nun Volontärin. Die Zeit bis dahin habe ich mit verschiedenen Jobs überbrückt, zum Beispiel als Rechercheredakteurin beim Saarländischen Rundfunk, als Mitarbeiterin bei der saarländischen Filmförderung oder als Assistentin der Aufnahmeleitung bei einem Filmprojekt.

Jetzt produziere ich crossmedial Beiträge für Print, Radio, Online und TV. Dazu überlege ich mir selbstständig Themen oder sie werden mir zugeteilt. Ich recherchiere, führe Interviews, bearbeite mein Material (schneiden für Radio oder TV) und texte selber. Da ich in meiner Position aus rechtlicher Sicht keine redaktionelle Verantwortung übernehmen darf, stehen mir in den Redaktionen Ansprechpartner zur Seite.

Was meine berufliche Situation betrifft, bin ich eine „Spätzünderin“. Viele fangen schon in ihrer Jugend mit ihren ersten journalistischen Erfahrungen an, beispielsweise bei der Schülerzeitung, und absolvieren ihr schulisches Praktikum bei einer Zeitung. Ich habe immer wieder mit dem Gedanken gespielt, Journalistin zu werden, aber sehr lange nicht den „Absprung“ gefunden, da es keinen direkten Weg in diesen Beruf geht – so wie man beispielsweise Medizin studiert und dann fast schon automatisch Arzt wird.

Ich habe während meines Masterstudiums der Übersetzung angefangen, für ein lokales Pferdesportmagazin zu schreiben – ich rief auf gut Glück die Chefredakteurin an und fragte sie, ob ich für ihr Magazin schreiben dürfte und sie war gleich sehr aufgeschlossen und gab mir eine Chance, ohne je etwas von mir gelesen zu haben! So hangelte ich mich weiter zu Praktika und freien Mitarbeiten. Nun ist etwa eins von insgesamt zwei Jahren Volontariat vorüber, ich habe aber auch schon vorher festgestellt, dass mein Herz fürs Fernsehen machen schlägt. Deshalb würde ich gerne in Zukunft als Fernsehredakteurin arbeiten, gerne auch als freie Journalistin, da ich das Übersetzen nicht ganz aufgeben möchte.

Studium

Ich hatte den Bachelor der vergleichenden Sprachwissenschaften angefangen, weil mir Fremdsprachen schon in der Schule lagen. Nach dem Bachelor wollte ich eigentlich Konferenzdolmetschen studieren, merkte aber, dass das nichts für mich ist. Da war dann das Übersetzungsstudium die logische Alternative. Was die Berufsoptionen angeht, bin ich das Ganze recht blauäugig angegangen.

Ich muss mich in meinem jetzigen Beruf in die verschiedensten Themengebiete einarbeiten, was ich vom Studium her schon kannte. Als angehende Journalistin muss man außerdem ein kommunikativer Mensch sein, darauf wurde im Studium in den praxisnahen Fächern Wert gelegt, also wie man an Kunden kommt und während des Arbeitsprozesses Rücksprache hält usw.

Übersetzung

Ich möchte es für die Zukunft nicht ausschließen, doch noch, zumindest zum Teil, als Übersetzerin zu arbeiten. Der Beruf kam mir jedoch immer recht einsam vor – man sitzt zuhause an seinem Rechner und übersetzt und kommt wenig in persönlichen Kontakt zu Menschen, wenn man nicht gerade bei einer Messe neue Kunden sucht. Als Journalistin verdiene ich mein Geld damit, die Geschichte von Menschen zu erzählen.

Mein Tipp für angehende Übersetzer: Versteift euch nicht darauf, in Zukunft ausschließlich zu übersetzen, es gibt noch so viele andere spannende Berufe, für die man sich mit diesem Studium qualifiziert.

Ich produziere crossmedial Beiträge für Print, Radio, Online und TV. Dazu überlege ich mir selbstständig Themen oder sie werden mir zugeteilt.

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